In Oslo versammeln sich bereits in den frühen Morgenstunden Menschen vor einem Gerichtsgebäude, das zum Schauplatz eines hochkarätigen Prozesses wird. Anklage gegen Marius Borg Höiby: 39 Delikte wie Vergewaltigung und Körperverletzung. Der Fall zieht seit Wochen die Massen an – ein Zeichen für den Wandel der norwegischen Haltung zur Monarchie, die jahrzehntelang unumstritten war.
Norwegen wählte 1905 seinen König per Volksabstimmung, doch nun erschüttern Skandale das Land. Marius Borg Höibys Vorleben und seine Mutter Mette-Marits Kontakte zu Jeffrey Epstein haben die traditionelle Wahrnehmung der Monarchie verändert. Die Frage nach dem Fortbestehen der Königsfamilie wird laut.
In einem alternativen Treffpunkt im Osten Oslos fordert Aila Sinober, eine 31-jährige Comedian, die Abschaffung der Monarchie. Ihre Show «Aila will die Monarchie abschaffen» basiert auf den Tagebucheinträgen ihrer Urgroßmutter, die als Kindermädchen für den späteren König Olav arbeitete. Sinober kritisiert die Monarchie als unzeitgemäß und fordert: «Entweder akzeptieren – oder abschaffen.»
Ole-Jörgen Schulsrud-Hansen, ein 28-jähriger Experte für Monarchiegeschichte, hält an der Institution fest. Er glaubt, dass die Monarchie als Symbol unsterblich ist und durch irrationale Elemente überdauert. Für ihn ist die Idee einer Republik inakzeptabel.
Im Gerichtssaal beobachten Sandra Bryne und Melissa Johansen den Prozess gegen Höiby, der für sie eine Prüfung des Rechtssystems darstellt: Gibt es zwei Maßstäbe – einen für die Royals und einen für gewöhnliche Bürger? Die beiden Frauen sind sich einig, dass das bestehende System nicht haltbar ist.
Die Monarchie steht in Norwegen vor ihrer größten Herausforderung seit der Einführung 1905. Der Fall Höiby hat den öffentlichen Diskurs verändert und viele Norwegerinnen und Norweger dazu gebracht, die Zukunft ihrer Institution neu zu überdenken.