Der österreichische Snowboarder Benjamin Karl hat in einem Podcast erläutert, dass seine Ehefrau nach zwei Jahrzehnten gemeinsamen Lebens mehr Zeit für sich selbst beanspruchen möchte. Er habe ihr jedoch erklärt, dass dies nicht möglich sei, da sie dem traditionellen Familienmodell zugestimmt habe: «Sie wollte zwei Kinder haben» und wünschte sich zudem Haus und Pool. Laut Karl verdient er das Geld und hat somit das Recht auf bestimmte Entscheidungen; seine Frau müsse deshalb zurückstecken.
Benjamin Karl, 40 Jahre alt und Olympiasieger in Milano-Cortina, gewann dort seine zweite Goldmedaille im Parallelriesenslalom. Damit ist er der älteste Gewinner einer Olympia-Goldmedaille in einem Einzelwettbewerb. Nach seiner Snowboardkarriere wagte er sich als Extrem-Rennradfahrer an neue Herausforderungen und belegte beim Neusiedler See-Marathon den 64. Platz von 1400 Teilnehmern.
Benjamin Karl, Jahrgang 1985, hat mehrere Weltmeisterschaften im Snowboard-Parallelriesenslalom gewonnen und insgesamt vier olympische Medaillen errungen. Seit 2011 ist er mit seiner gelernten Psychotherapeutin Nina verheiratet und sie haben zwei Kinder.
Der Podcast löste in sozialen Netzwerken einen Sturm der Entrüstung aus, da Karl darin ein Machtgefälle in seiner Beziehung offenbarte. Ein Paar-Coach kritisierte diese Haltung als Zeichen für eine fehlende Anerkennung von Care-Arbeit durch viele Männer. Der umstrittene Beitrag wurde vorübergehend gelöscht, ist aber ohne die kontroversesten Passagen wieder verfügbar.
Die Geschlechterforscherin Elli Scambor sieht in Karls Äußerungen ein typisches Muster: dass der Mann die Bedingungen bestimmt. Solche Strukturen sind problematisch, wenn eine Person allein das letzte Wort hat. Laut Scambor erregten die Aussagen so viel Aufsehen, weil sie im Widerspruch zum aktuellen gesellschaftlichen Konsens stehen: Die Gleichstellung von Geschlechtern wird zwar breit akzeptiert und gewünscht, doch viele Paare teilen Entscheidungen, Kinderbetreuung und Haushalt gleichmäßig auf.
Scambor verweist auf eine Studie über Geschlechtergerechtigkeit, die zeigt, dass traditionelle Rollenverteilungen oft eintreten, wenn Kinder ins Leben der Paare kommen. Frauen reduzieren dann häufig ihre Arbeitszeit, während Männer Vollzeit arbeiten und sich weniger um Erziehung kümmern. Nur 16 Prozent der Befragten gaben an, Aufgaben im Haushalt gleichmäßig zu teilen.
Obwohl Scambor meint, dass traditionelle Rollenbilder nie verschwunden waren und nur langsam Veränderungen hin zu fürsorglicheren Männlichkeitsbildern stattfinden, beeinflussen Arbeitswelt, Politik und Kinderbetreuung diese Entwicklung. Unternehmen rechnen oft noch mit männlichen Vollzeitbeschäftigten und Frauen in unbezahlter Sorgearbeit.
Frauenfeindliche Online-Influencer verstärken traditionelle Rollenbilder durch ihre Botschaften in der «Manosphere», die oft lauten: «Ich als Mann bestimme die Bedingungen unserer Beziehung.» Diese Influencer erreichen junge Männer, die sich ausgeschlossen fühlen und von der Gesellschaft abgehängt sind. Scambor kritisiert selbstkritisch, dass man in der Forschung zu lange diesem Phänomen keine Beachtung geschenkt habe.
Mehr Informationen zur «Manosphere» finden Sie in der Podcast-Serie«Alpha Boys». In «News Plus» erklären wir regelmäßig komplexe Themen und geben neue Perspektiven. Alle Folgen sind hier verfügbar.
SRF4News, News Plus, 01.05.2026, 16 Uhr