Der israelische Jazzpianist Omer Klein hat Deutschland zu seinem Zuhause gemacht, wo er mit seiner Sextett-Band Poetics unterwegs ist. In einem Gespräch im Hotelfoyer von Zürich äußerte sich Klein über seine persönlichen Erfahrungen und die aktuelle Weltlage. Nachdem der amerikanische Präsident für eine nächtliche Katastrophe im Nahen Osten gewarnt hatte, zeigte das Publikum während Kleins Auftritt im Klub Moods Zuversicht und Freude an seiner Musik.
Klein, 43 Jahre alt, präsentierte seine neue Band Poetics, die rhythmische Motive aus Afrika und Brasilien in den Jazz integriert. Die Gruppe vereint Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Ländern wie Niederlande und Kolumbien, deren Talent den dynamischen Charakter der Musik verstärkt.
Obwohl er über die düstere Weltlage sarkastisch bemerkte, dass dies einen letzten Drink rechtfertige, betonte Klein, dass seine Mission darin besteht, schöne und leidenschaftliche Musik zu erschaffen. Er sieht Musik als eine der wenigen positiven Kräfte im Leben. Seine Karriere begann mit dem Hören von israelischen Songwritern und führte schließlich zum Jazz dank eines Lehrers, der ihm Ella Fitzgeralds Album empfahl.
Obwohl viele israelische Musiker wegen fehlender Infrastruktur in die USA oder nach Europa ziehen, betont Klein, dass sie sich internationalen Kollegen anschließen und keine isolierte Szene bilden. Sein Album für das New Yorker Label Tzadik von John Zorn widmete er der jüdischen Musik, obwohl er selbst nicht klar definiert, was diese ausmacht.
Klein lebt seit 2009 in Deutschland und hat dort seine Karriere aufgebaut. Er bestätigt, dass er weder in den USA noch in Deutschland mit Antisemitismus konfrontiert war, auch nach dem 7. Oktober 2023 nicht. “Ich spüre nur Liebe und Respekt von Musikern, Publikum und Studenten”, sagt er.
Der Bandname Poetics unterstreicht Kleins Faszination für die poetische Freiheit im künstlerischen Ausdruck. Mit seinem Sextett möchte er seine Kompositionen auf einer breiteren Klangpalette entfalten. Die Einflüsse aus Afrika und Brasilien, wie Chico Buarque oder der Afrobeat von Tony Allen, prägen seinen Stil.
Klein widerspricht der Ansicht, dass Jazz zu einer Nischenkultur geworden sei. Er sieht Parallelen zur klassischen Musik und betont die aktuelle Popularität seiner Tourneen mit Poetics, einschließlich eines ausverkauften Konzerts in der Elbphilharmonie.
Als Professor für Jazzpiano an der Münchner Universität fördert Klein bei seinen Studenten den Spagat zwischen Subjektivität und Objektivität. Er vermittelt die Bedeutung von prägenden Jazzfiguren wie Scott Joplin, während er die individuelle Entfaltung des eigenen Stils betont.