Der renommierte deutsche Philosoph Peter Sloterdijk analysiert im neuesten Werk die Zustände der Demokratie. Er äußert sich kritisch über Donald Trump, während er gleichzeitig die Schweiz lobt und als «Stachel in den repräsentativen Demokratien» beschreibt. In einem Gespräch kritisiert Sloterdijk das amerikanische Wahlsystem nach Trumps Sieg im Jahr 2016. Obwohl Hillary Clinton deutlich mehr Wählerstimmen erhielt, gewann Trump die Mehrheit der Wahlmänner aufgrund von Systemverzerrungen. Diese Ungereimtheiten und das Misstrauen gegenüber den Basiswählern durch die Verfassungsväter haben ihm zugutegekommen. Bei seiner zweiten Präsidentschaft im Jahr 2024 gewann er mit einem Stimmenvorsprung, was zeigt, dass Trump wenig Respekt vor der Verfassung hat. Sloterdijk vergleicht ihn mit einer Fernsehfigur und sieht in ihm eine Weiterentwicklung des schauspielerischen Typs in der Politik, ähnlich wie Berlusconi. Sloterdijks Arbeiten, beginnend mit der «Kritik der zynischen Vernunft» im Jahr 1983, behalten ihre Relevanz. Sein neues Buch «Der Fürst und seine Erben: Über grosse Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute» reflektiert die Zukunft westlicher Demokratien. Sloterdijk beschreibt den ernsten Ansatz von Politikern, die sich selbst wie Clowns sehen. Trump verkörpert das Bild eines starken Mannes, der über dem Gesetz steht und Debatten beendet, was bei vielen zu Müdigkeit gegenüber langwierigen Verfahren führt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden effektive Demokratien in Nordamerika und Europa. Dennoch zweifeln Bürger an ihrer Attraktivität. Sloterdijk sieht die Herausforderung der Demokratie nicht so sehr in der Konkurrenz mit autoritären Systemen, sondern in ihren internen Komplikationen. Er betrachtet Trumps Aufstieg als Symptom eines strukturellen Fehlers: Ursprünglich eine Befreiungsinitiative von britischer Kolonialherrschaft, wurde die USA zu einer kolonisierenden Macht. Dieser Wandel führte zur Schaffung eines Hyperstaats. Sloterdijk sieht Trump als Symptom der Vorahnung des Endes amerikanischer Suprematie. Mit einem unzufriedenen Gefühl für Größe und zwei Un-Politikern an der Spitze zeigt sich eine Krise in den Demokratien. In Zeiten der Unsicherheit ziehen Menschen Parteien vor, die Veränderungen versprechen. Sloterdijk betont, dass progressive Einstellungen notwendig sind, um Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Trumps CEO-ähnlicher Politikstil hat diesen Trend verstärkt, indem er schnelle Entscheidungen bevorzugt und traditionelle demokratische Prozesse überspringt.