Google sowie die Ethereum-Stiftung haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Verschlüsselungsstandards bis 2029 gegen Quantencomputer zu schützen. Bitcoin-Entwickler zeigen jedoch Zurückhaltung. Wird dies Konsequenzen nach sich ziehen? Wer seit längerem in der Technologiebranche tätig ist, kennt das Argument: Der Durchbruch von Quantencomputern wird stets für die nächsten zehn Jahre vorausgesagt. Aufgrund ihrer Fähigkeit, riesige Datenmengen parallel zu verarbeiten, könnten sie erheblich leistungsfähiger als herkömmliche Superrechner sein. Fachleute prognostizieren damit Durchbrüche etwa in der Materialforschung. Allerdings sehen Experten auch negative Auswirkungen auf den Weg kommen: Quantencomputer sollen künftig viele Passwörter knacken können, die heutzutage unsere Online-Daten schützen. Besonders die asymmetrische Verschlüsselung ist gefährdet. Diese basiert auf mathematischen Aufgaben wie der Primfaktorzerlegung, die für klassische Computer extrem komplex sind, aber für Quantencomputer angeblich einfach zu lösen sein sollen. Auch Kryptowährungen sind durch diese Technik geschützt und daher anfällig gegenüber Quantencomputern. Schon im Sommer 2024 haben wir in der “NZZ am Sonntag” auf diesen Diskussionspunkt hingewiesen, der mittlerweile intensiv innerhalb der Branche geführt wird. Die Lösung liegt nahe: Wenn Unternehmen und Blockchains ihre Systeme auf Post-Quanten-Kryptografie umstellen, kann die Katastrophe verhindert werden. Experten schätzen jedoch, dass dies einige Jahre dauern könnte. Ich habe die Gefahr durch Quantencomputer bislang nicht als besonders dringend erachtet – denn wie bekannt ist der Durchbruch stets zehn Jahre entfernt. Nun ändert Google, ein Entwickler von Quantencomputern selbst, seine Einschätzung. Die Firma hat mitgeteilt, dass sie die Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie bis Ende 2029 abgeschlossen haben möchte. Der Grund dafür: Die Entwicklung schreitet schneller voran als erwartet. Auch die Ethereum-Stiftung entschied sich diesen Monat für einen ambitionierten Zeitplan und nennt ebenfalls 2029 als Ziel, um Ether gegen Quantencomputer zu schützen. Zwischen Ethereum und Bitcoin klafft nun eine Lücke auf, da die führenden Bitcoin-Entwickler das Thema scheinbar aufschieben. In der Krypto-Branche herrscht die Ansicht vor, dass Bitcoin-Entwickler, die sich generell gegen Änderungen an ihrem Protokoll sperren, das Problem nicht ernst genug nehmen. Sie könnten zu spät reagieren oder zumindest den Eindruck erwecken, was Bitcoin schaden würde: Risikomanager bei Banken, Versicherungen und Pensionskassen haben quantensichere Verschlüsselung längst auf dem Radar. Ich glaube jedoch, dass es sich um ein Kommunikationsproblem handelt. Im Gegensatz zu Ethereum gibt es bei Bitcoin keine Stiftung, die offizielle Zielvorgaben festlegen kann. Wichtige Bitcoin-Entwickler setzen sich jedoch intensiv mit der Problematik auseinander. Es besteht daher kein Grund, diese beiden unterschiedlichen Kryptowährungen gegeneinander auszuspielen, wie es einige in der Branche mit sektiererischem Eifer tun. Investoren sollten sowohl Bitcoin als auch Ether halten oder besser noch einen diversifizierten Korb großer Kryptowährungen anstreben.