Kurz nach dem Besuch des US-Präsidenten bei Chinas Staatschef Xi Jinping reist Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag nach Peking. Obwohl sein Besuch weniger pompös ist, steht ein umfangreiches Programm auf der Agenda. Ostasien-Korrespondent Samuel Emch gibt Einblick in die Beziehung zwischen den beiden Ländern und deren globale Bedeutung.
Samuel Emch berichtet seit Sommer 2022 als SRF-Ostasienkorrespondent. Davor war er mehrere Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF.
Wenngleich Details zu den Gesprächen spärlich sind, planen Xi und Putin, eine Vielfalt an Themen anzusprechen: von Handel über Industrie, Bildung und Film bis hin zur geopolitischen Idee einer “multipolaren Weltordnung”, wie von China und Russland angestrebt. Diese Diskussion war auch bei früheren Staatsbesuchen präsent.
Ein zentrales Ereignis ist die Feier des 25-jährigen Jubiläums eines Freundschaftsvertrags zwischen Moskau und Peking am Mittwoch, welches die in den letzten Jahren vertiefte Allianz symbolisiert. Beide Nationen haben das Jahr der Bildung ausgerufen, was zeigt, dass ihre Beziehung nicht nur wirtschaftlicher Natur ist.
Diese Botschaft hat Peking verstärkt: Mit Putins Staatsbesuch wird sie weiter zementiert. Es ist geplant, eine gemeinsame Erklärung von Xi und Putin zu veröffentlichen – ein Schritt, der beim Besuch Trumps nicht erfolgte. China und Russland sprechen durch zahlreiche bilaterale Abkommen und ein gemeinsames Statement dieselbe Sprache.
Russlands Rohstoffe sind für China besonders interessant, da es Produkte kauft, die der Westen nach den Sanktionen nicht mehr liefert – insbesondere Rohöl und Erdgas, das früher in Richtung Europa ging. Diese Einkäufe finanzieren indirekt Russlands Kriegsbemühungen in der Ukraine. China ist zudem ein wichtiger Lieferant für russische Autos und Elektronik, inklusive “Dual-Use-Güter”, die sowohl für Zivil- als auch Militärzwecke genutzt werden können.
Für Europa steht der Krieg in der Ukraine im Fokus: Es erhoffte sich von Xi Einflussnahme auf Putin und eine Einstellung der Lieferungen dieser Dual-Use-Güter nach Russland, was China jedoch ablehnte. Der chinesische Aussenminister betonte, dass es kein Interesse daran gibt, dass Putin als Verlierer hervorgeht, da dies die USA und Europa möglicherweise dazu verleiten könnte, sich wieder mehr auf den Pazifik zu konzentrieren.
Rendez-vous, 19.5.2026, 12:30 Uhr
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