Der Schweizerische Bankenombudsmann, Andreas Barfuss, verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Betrugsfälle, insbesondere durch Phishing-Mails. SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart beleuchtet in einem Bericht die damit verbundenen Probleme und die Schwierigkeiten, die Künstliche Intelligenz (KI) für seine Arbeit mit sich bringt.
Charlotte Jacquemart ist seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF tätig. Ihr Studium der Ökonomie absolvierte sie an der Universität Zürich. Vor ihrer Tätigkeit bei SRF war sie für die “NZZ am Sonntag” beschäftigt.
Im Jahr 2025 verzeichnete der Bankenombudsmann eine um 15 Prozent gestiegene Zahl von Betrugsfällen, wobei Phishing als häufigste Betrugsmethode hervorsticht. Hierbei werden Passwörter und Kontodaten durch falsche E-Mails, SMS oder Anrufe erbeutet. Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl der Anfragen zu Betrug im Zahlungsverkehr um 253 Prozent.
Betrugsmaschen im Zusammenhang mit Kartenzahlungen und Onlinebanking blieben Hauptursache für Beschwerden, wie der Jahresbericht des Bankenombudsmanns zeigt. Im letzten Jahr bearbeitete seine Stelle insgesamt 2575 Fälle – 100 mehr als im Vorjahr. Bei 319 Fällen intervenierte die Ombudsstelle beim betroffenen Finanzinstitut und machte in 174 Fällen konkrete Vorschläge, denen in 98 Prozent der Fälle entsprochen wurde.
Im Bereich kontakt- und nachrichtenloser Vermögenswerte erhielt die Stelle 460 neue Suchanfragen. Dadurch wurden 33 Kundenbeziehungen mit Werten von 12.1 Millionen Franken den Berechtigten zugänglich gemacht, sowie sieben Schrankfächer. Seit der Einführung des Systems im Jahr 2001 konnten insgesamt 772 solche Fälle geklärt und Vermögenswerte in Höhe von 157.3 Millionen Franken freigegeben werden.
Trotz zahlreicher Versuche, Phishing zu bekämpfen, ist die Methode weiterhin wirksam, wie Barfuss feststellt. Kriminelle passen ihre Taktiken ständig an, und es kostet sie wenig Aufwand, um massenhaft E-Mails zu versenden – auf die möglicherweise eine Person reagiert.
Betroffene Bankkunden nutzen zunehmend KI-gestützte Beschwerdebriefe statt telefonischer Kontaktaufnahme mit dem Ombudsmann. Diese sind oft sprachlich ansprechend, aber juristisch schwach, da Quellen und Argumentationen unklar bleiben. Barfuss beschreibt seine Recherchen als “Schnitzeljagden” und stellt fest, dass KI einen Bias aufweisen kann: Sie versucht, dem Benutzer zu gefallen, was nicht immer die Realität widerspiegelt und Konflikte zwischen Kunden und Banken fördert. Der Einfluss von KI hat die Arbeitsbelastung für die Ombudsstelle deutlich erhöht.
Quelle: SDA; srf/snep; schc; wyss; Rendez-vous, 19.5.2026, 12:30 Uhr