Guy Parmelin, der Schweizer Bundespräsident, äußerte erneut seinen Unmut über die Europäische Union während eines Aufenthalts in Berlin. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte Verständnis, legte jedoch den Fokus auf andere Themen. Das Kräfteverhältnis zwischen der Schweiz und Deutschland wurde bei einem Medienauftritt im Kanzleramt deutlich: Merz gratulierte Parmelin für dessen Erfolge. Besonders im Eishockey hatte die Schweizer Nationalmannschaft am Tag zuvor mit einem 6:1-Sieg gegen Deutschland im eigenen Land einen bemerkenswerten Sieg errungen – den größten seit 1937. Während der Pressekonferenz betonten beide Politiker die starke wirtschaftliche Verbindung und die geteilten Werte. Doch Parmelin hob hervor, dass die anstehenden Stahlzölle der EU ein belastendes Thema darstellen. Die Europäische Union plant durch höhere Importzölle den heimischen Stahlmarkt zu schützen und droht damit der Schweiz einen Zoll von 50 Prozent für bestimmte Lieferungen ab Juli auf, während bisherige Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums ausgenommen sind. Die Verhandlungen über Importkontingente laufen weiter. Die Schweizer Regierung sieht sich auch mit zusätzlichen Kosten durch eine Einigung der EU bei der Behandlung arbeitsloser Grenzgänger konfrontiert, was jährliche Mehrkosten von 600 bis 900 Millionen Franken nach sich ziehen könnte. Parmelin kritisiert dies scharf und fühlt sich im Stich gelassen, da die EU einen zuvor vereinbarten Grundsatz der Zusammenarbeit missachtet habe. Die Hoffnung Berlins als Vermittler liegt oft bei Deutschland aufgrund seiner engen Handelsbeziehungen zur Schweiz. Merz erwähnte jedoch während der Pressekonferenz nur vorsichtig, dass eine geringe Zollbelastung im beiderseitigen Interesse liege, betonte aber zugleich die Priorität einer Einigung mit den USA. Beide Führungspersönlichkeiten betonten den Wunsch nach verstärkter Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung. Parmelin hob die grenzüberschreitende Kooperation hervor und nannte als Beispiel den Campus der ETH Zürich, der im Juli in Heilbronn eröffnet wird. Merz lobte die Schweiz für ihre Bemühungen um Freihandel und Frieden, was auch Deutschland zugutekomme. Trotz des diplomatischen Tonfalls bleibt Parmelins Unmut über die EU-Stahlzölle bestehen.