Eine Umfrage zeigt, dass deutsche und schweizerische Jugendliche heute den Klimawandel nicht mehr mit der gleichen Dringlichkeit betrachten wie vor einigen Jahren. Obwohl das Thema Nachhaltigkeit nach wie vor relevant ist, haben andere weltweite Herausforderungen die Aufmerksamkeit junger Menschen erweitert.
Die Studie «Schweizer Jugend- und Demokratiemonitor 2025» des Dachverbandes Schweizer Jugendparlamente (DSJ) befragte rund 2000 junge Leute im Alter von 15 bis 25 Jahren. Dabei zeigte sich, dass das Interesse am Klimawandel im Vergleich zu früheren Jahren gesunken ist.
Der Verband weist darauf hin, dass der direkte Vergleich aufgrund veränderter Themenwahl nur bedingt möglich sei. Dennoch fiel auf: Der Anteil der Jugendlichen mit Interesse am Thema sank von 44 Prozent im Jahr 2023 auf 23 Prozent 2025.
Zudem glauben 54 Prozent der Befragten, dass bereits genug gegen den Klimawandel unternommen wird. Trotzdem bleibt Nachhaltigkeit ein wichtiges Anliegen: 79 % finden ökologische Nachhaltigkeit sehr oder eher bedeutend. Der DSJ schlussfolgert daraus, dass die Bedeutung von Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig zu einem Gefühl des Handlungsdrucks führt.
Der deutsche Generationenforscher Rüdiger Maas bemerkt, Jugendliche empfinden zwar weiterhin Sorgen, nehmen aber eine geringe politische Wirksamkeit wahr. «Dies kann Resignation oder einen Rückzug aus sichtbarem Aktivismus bedingen», erklärt er gegenüber Nau.ch.
Das Engagement habe sich in Richtung individualisierter Handlungen verlagert: Bewusster Konsum und Mobilitätsentscheidungen werden heute bevorzugt, statt langfristiger Proteste. Social Media halten Jugendliche kontinuierlich über aktuelle Krisen auf dem Laufenden, was ihre Wahrnehmung präge.
Olivier Reber von Pro Juventute betont, dass die heutige Generation mit mehreren globalen Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert sei. Diese Situation kann Unsicherheit und Hilflosigkeit verstärken. Die repräsentative Jugendstudie 2026 von Pro Juventute zeigt jedoch weiterhin eine hohe Relevanz des Klimawandels: Ein Drittel der Befragten sorgt sich um die Klimakrise.
Moritz Wülser von Klimastreik Schweiz bestätigt, dass das Thema Jugendliche nach wie vor beschäftigt. Laut dem UBS-Sorgenbarometer rangiert es mit 31 Prozent an zweiter Stelle der größten Sorgen unter Schweizerinnen und Schweizern.
Der Klimawandel bleibt also weiterhin ein wichtiges Anliegen für die Jugend, obwohl andere Krisen ihm teilweise Bedeutung entziehen. Das Engagement hat sich von öffentlichem Aktivismus hin zu individuellen Handlungen verschoben.