In vielen Krankenhäusern wird bei der Betreuung älterer Menschen auf Notfallstationen oft versagt, was lebensbedrohlich sein kann. Das Unispital Basel hat deshalb seine Ambulanz speziell für Senioren umgestaltet. Lieselotte Klotz erlebte das Chaos einer herkömmlichen Notaufnahme: Mit ihrer Demenz überfordert, wurde sie in der Helios-Klinik Bonn unter Zeitdruck behandelt, ohne ihre Zustimmung zu verstehen.
Obwohl mehr als ein Drittel aller Patienten auf Notfallstationen älter als 65 Jahre sind, werden Senioren oft nicht adäquat versorgt. Häufig werden die Beschwerden der Älteren unterschätzt oder als weniger dringlich eingestuft, was zu längeren Wartezeiten führt und ihre Überlebenschancen verringert.
Ältere Menschen stellen komplexere Fälle dar: Ihre Symptome wie Schwäche oder Schwindel können harmlose Ursachen haben, aber auch auf lebensbedrohliche Erkrankungen hinweisen. Zudem kann es bei ihnen zu unauffälligen Laborwerten kommen, was die Diagnose erschwert.
Roland Bingisser, Chefarzt des Notfallzentrums am Unispital Basel, kritisiert, dass viele Spitäler das Problem nicht ernst nehmen. In Basel wird nun auf international anerkannten Kriterien basierend umgestaltet: Fachärzte mit geriatrischer Expertise und speziell ausgebildetes Personal sollen die Versorgung verbessern. Ein Patientenvertreter gibt wertvolle Rückmeldungen.
Die Notfallstation muss zudem Risikofaktoren wie Depression oder Sturzgefahr prüfen und Delir vermeiden, um negative Auswirkungen auf den Gesundheitsverlauf zu minimieren. Klar definierte Prozesse sollen Schmerzen effektiv behandeln und die Anschlussbetreuung organisieren.
Diese Maßnahmen kosteten rund 100.000 Franken für Umbauten und zusätzliche 150.000 Franken pro Jahr für neue Stellen. Die Ergebnisse zeigen bereits, dass Patientenzufriedenheit gestiegen ist und mehr Senioren nach Hause entlassen werden können.
In Deutschland und der Schweiz gibt es zwar Empfehlungen für seniorengerechte Notfallstationen, aber diese sind noch nicht flächendeckend umgesetzt. In der Schweiz besteht zwar ein rechtlicher Anspruch auf entsprechende Betreuung, Details fehlen jedoch.
Angehörige spielen eine wichtige Rolle, da vertraute Gesichter Stress reduzieren können. Fehlverhalten seitens des Personals kann zu Haftungsansprüchen führen. In Deutschland dürfen Angehörige in der Regel mitkommen, doch auch hier gibt es Einschränkungen und Missverständnisse, wie Margit Hankewitz berichtet.