Ein Untersuchungsbericht hat schwerwiegende Missstände am Zürcher Unispital aufgedeckt. Zwischen 2014 und 2020 sind etwa siebzig Patienten an der Klinik für Herzchirurgie gestorben, weil die Behandlungsqualität mangelhaft war.
Diese Vorfälle können nur als Skandal bezeichnet werden. Der Bericht zeigt auf, dass diese Todesfälle hätten vermieden werden können, wenn die Patienten anderswo behandelt worden wären, so der Herzchirurg und Mitautor des Berichts, René Prêtre. Diese Erkenntnis trifft hart alle Beteiligten der Institution, die sich zu den besten weltweit zählt.
Der Bericht beleuchtet die Fehler unter Leitung von Chefarzt Francesco Maisano: Die Einstellung unqualifizierter Personalien und das Fehlen einer Kontrolle führten dazu, dass Operateure komplexe Eingriffe durchführten, bei denen sie versagten. Dies kostete Menschenleben.
Maisano wurde als Innovator eingestellt, um neue Methoden zu entwickeln. Seine Innovationen erwiesen sich jedoch als Fehlschläge, und er stellte das Wohl der Patienten hinter seine Interessen. Kritik des Berichts zufolge setzte Maisano dreizehn Patienten mit neuen Implantaten ein, obwohl konventionelle Eingriffe besser gewesen wären. Eines dieser Implantate hatte er selbst entwickelt und finanziell daran beteiligt.
Maisano verschwieg seine Interessenkonflikte, schmückte die Operationsresultate in Veröffentlichungen auf und täuschte teilweise auch Bewilligungsbehörden.
Ob finanzielle Motive eine Rolle spielten, bleibt unklar. Die Staatsanwaltschaft muss klären, ob strafrechtliche Konsequenzen folgen sollen, da Anzeigen bereits vorliegen.
Die Verantwortung liegt jedoch nicht nur bei Maisano. Ein Systemversagen ermöglichte die Missstände: Die Spitalführung hätte intervenieren müssen, tat es aber aus dem Wunsch heraus, das Renommee zu schützen, anstatt Patienteninteressen zu priorisieren.
Maisanos Einstellung erfolgte in einem hastigen Prozess ohne Überprüfung seiner Fähigkeiten oder Konflikte. Als Probleme offenkundig wurden, reagierte die Spitaldirektion unzureichend: Audits wurden angeordnet, deren Umsetzung jedoch nicht durchgesetzt.
Die Aufklärung geschah letztlich nur durch öffentlichen Druck und Medienberichte. Die neue Führung hat nun umfassende Veränderungen eingeleitet, wobei das Wohl der Patienten oberste Priorität haben muss.