Die Folge «Könige der Nacht» entfaltet ein Bild alltäglicher Illegalität, das durch einen tödlichen Vorfall und ein verhängnisvolles Versprechen intensiviert wird. Im Mittelpunkt steht Moya (Nambitha Ben-Mazwi), eine Velokurierin, die sich unauffällig in den gläsernen Schluchten der Hardbrücke bewegt. Unbekannterweise lebt sie mit ihrem Sohn illegal in der Schweiz und hat versehentlich einen Mord beobachtet. Nachdem sie ihre Lieferung abgeschlossen hat, sieht sie zwei Gestalten, die eine Leiche wegtragen, während sie selbst knapp dem Tod entgeht.
Der Start des elften Zürcher «Tatorts» ist ein packender Thriller mit einem Hauch von Sozialkritik und Melancholie. Während Ott (Carol Schuler) bei einer Zigarette über die unausweichliche Entdeckung von Verbrechen nachdenkt, erwidert ihre Kollegin Grandjean (Anna Pieri Zuercher): «Wir kommen wie immer zu spät». Die Untersuchung eines toten Callboys am Unteren Letten führt schnell zur Mordzeugin Moya. Ott bietet ihr an, sie vor der Ausweisung zu schützen – ein gut gemeintes, aber riskantes Versprechen.
Trotz einiger Unglaubwürdigkeiten und konstruierter Zufälle funktioniert das Ermittlungsteam rund um die Kommissarinnen mit Noah Löwenherz (Aaron Arens) in dieser Episode effektiv. Regisseur Claudio Fäh, bekannt für Actionfilme, präsentiert eine schnörkellose Inszenierung, die zwar scheinbar über einen Psychopathen handelt, jedoch tiefere Abhängigkeitsstrukturen beleuchtet.
Im Mittelpunkt stehen hier sowohl verschwenderische Partygänger als auch ihre unsichtbaren Diener. Die Erzählung ist kein moralinsaures Märchen, sondern ein Thriller mit Horrorelementen, der an einen realen Fall in Küsnacht 2014 erinnert. Trotz ausführlicher Erklärungen bleibt vieles im Film skizzenhaft, etwa die Figur des Oberrichters (Stefan Merki), der den moralischen Appell vertritt: «Nur weil wir privilegiert sind, sollten wir das Leid anderer nicht vergessen.» Diese Episode wird am Sonntag, 3.5., um 20:05 Uhr auf SRF1 und um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.