In einem charakteristischen Szenario offenbart sich das Elend der SPD in einer typischen Szene aus den Wahlabenden. In Berlin, in ihrer Parteizentrale, versammeln die SPD-Granden unter dem Blick von Willy Brandts monumentaler Bronzestatue – ein Symbol des schweren Erbes. Als Kanzler prägte Brandt die deutsche Sozialdemokratie entscheidend und beeinflusste das Schicksal Europas. Die SPD, einst Volkspartei bei der Bundestagswahl 1972 mit 45.8 Prozent der Stimmen, schrumpft in Umfragen auf zwischen 12 und 15 Prozent. „Die SPD ist tot – das höre ich seit meinem Eintritt“, sagte Katarina Barley in Markus Lanz, konnte jedoch keine Erklärung für den Niedergang liefern. Robin Alexander, ein Politikjournalist, diagnostiziert, dass die SPD nicht einfach Wahlverluste erlebt, sondern Strukturbrüche hinnehmen muss und von Teilen Deutschlands als „Akademikersekte“ gesehen wird. Stefan Reinhart, Auslandredaktor bei SRF, bemängelt den Verlust eines klaren Markenkerns: Die Partei habe die Anforderungen der Bevölkerung nicht mehr erkannt. Das Superwahljahr 2026 begann schlecht für die SPD in Rheinland-Pfalz; zum ersten Mal seit 35 Jahren stellt sie keinen Ministerpräsidenten. In Baden-Württemberg verfehlte sie knapp den Einzug ins Parlament, und nur noch fünf Prozent der Arbeiter wählten die ehemalige Arbeiterpartei. Trotz Reden über die „hart arbeitende Mitte“ wird die SPD von vielen als Partei der Sozialhilfeempfänger wahrgenommen. In einer Grundsatzrede kündigte Co-Chef Lars Klingbeil schmerzhafte Strukturreformen an, um Arbeitnehmer stärker einzubinden und eine höhere Besteuerung für Reiche durchzusetzen. Zur Klärung ihrer Identität trafen sich die Parteiführer in Berlin. Stefan Reinhart sieht darin sowohl Herausforderungen als auch Chancen: „Der Druck auf die SPD kann sie auch stärken.“ Gelingt es der Koalition aus Union und SPD, konkrete Reformen umzusetzen, könnte dies die politische Mitte stabilisieren. Scheitert dies, drohen Neuwahlen bei gleichbleibendem Anstieg der AfD, die mit CDU/CSU in Umfragen gleichauf liegt.