Die Vorwürfe gegen Christian Ulmen wegen digitaler Vergewaltigung seiner Ex-Frau haben Deutschland erschüttert. Tausende Menschen protestieren inzwischen gegen sexualisierte Gewalt und Frauenfeindlichkeit.
Doch der Fall Ulmen ist nur ein Beispiel für ein breiteres Problem: Die Schweiz verzeichnete im letzten Jahr ebenfalls einen Anstieg der Gewalt gegen Frauen, wie die Kriminalstatistik des Bundes belegt. In einer internationalen Umfrage sind rund ein Drittel der jungen Männer aus der Generation Z der Ansicht, eine Ehefrau müsse ihrem Mann gehorchen.
Eine umfassende Studie der Universität Bern zeigt nun auf, dass frauenfeindliche Medieninhalte den gesellschaftlichen Status von Frauen negativ beeinflussen. Dr. Christa Nater erklärt die Auswirkungen dieser Inhalte im Gespräch mit SRF Wissen.
Dr. Christa Nater ist Postdoktorandin an der Abteilung für Soziale Neurowissenschaft und Sozialpsychologie am Institut für Psychologie in Bern.
SRF Wissen fragt nach dem Anlass für diese Studie: Dr. Christa Nater erläutert, dass bisherige Forschungen sich hauptsächlich auf spezielle Inhalte wie Pornografie oder Rapvideos konzentrierten. Ihre Studie untersucht erstmals umfassend den Einfluss von frauenfeindlichen Inhalten über alle Medienformate hinweg und deren Beziehung zu feindseligem Verhalten gegenüber Frauen.
Es wurden verschiedene Reaktionen auf solche Inhalte analysiert, von subtilen Stereotypen bis hin zur offenen Gewalt. Das zentrale Ergebnis zeigt: Je mehr frauenfeindliche Inhalte konsumiert werden, desto stärker sind feindselige Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Frauen.
Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen? Dr. Nater bestätigt, dass Männer im Durchschnitt stärkere Reaktionen zeigen, aber auch Frauen nicht immun sind. Besonders stark betroffen sind Jugendliche im Alter von zehn bis achtzehn Jahren, da sie weniger Erfahrung mit Medien haben und eher Verhaltensmuster übernehmen.
Spielt die Art der Inhalte eine Rolle? Ja, explizite Gewalt gegen Frauen führt vor allem bei Männern zu aggressiveren Reaktionen, während subtilere Formen wie stereotype Darstellungen beide Geschlechter beeinflussen. Überrascht hat Dr. Nater besonders, dass dieser Effekt über alle Medienformate hinweg beobachtet wurde.
Das Gespräch führte Angelika Kren in der Sendung SRF 1, Tagesschau am 23. März 2026 um 19:30 Uhr.