Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Stephan Eicher sowohl musikalisch als auch geografisch auf Entdeckungsreise. In der Sendung «Swissmade live» verriet er neben seiner Musik auch persönliche Einblicke in das Leben des Künstlers. Im Gegensatz zu vielen modernen Popkünstlern steht bei Eicher nicht er selbst, sondern die Kunst im Vordergrund. Für ihn ist entscheidend, dass seine Werke seinen inneren Visionen gerecht werden.
Eicher hat stets den Weg abseits des Mainstreams gewählt und betont: Seit seinem 36. Lebensjahr vermeidet er Tourbusse und bevorzugt die Eisenbahn. Sein Blick schweift während der Reisen über die Landschaften, fernab von digitalen Ablenkungen.
Im Theaterstück «Seul en scène» trat Eicher alleine auf der Bühne auf, eine Herausforderung, die ihm Unbehagen bereitet. Um sich aus seiner Komfortzone zu begeben, nahm er bewusst an diesem Projekt teil, wie er im SRF-Interview erklärte.
Das Auswendiglernen von Texten ist für Eicher keine Leidenschaft – dennoch fasziniert ihn das Theater als Ort intensiver Aufmerksamkeit. Regisseur François Gremaud schrieb ein Stück, in dem Eicher aus seinem Leben erzählt und spielerisch zwischen Wahrheit und Fiktion changiert.
Überraschend ist seine Geschichte mit der französischen Sprache: In der Schule hatte Eicher Schwierigkeiten – trotzdem sieht er den Verlust seiner Matura nicht als Katastrophe. Mit Charme thematisierte er beim Auftritt die Diskussion um das Abschaffen von Frühfranzösisch.
Paris wurde durch seine erste große Liebe zu einer neuen Heimat, obwohl er dort finanziell an seine Grenzen stieß und sie schließlich verlor. Glücklicherweise fand Eicher in Frankreich später sein persönliches Glück; seine Frau ist Französin.
Autostopp bevorzugt er nur im Notfall, wie nach einem Festival, als der Wagen seines Chauffeurs von der Polizei gestoppt wurde. Die Fahrt ging dennoch dank eines Fans weiter.
Eicher spricht offen über die Vergänglichkeit und beschreibt den Tod poetisch als Wechsel zu einer «interstellaren Adresse». Er betont, wie wichtig es ist, geliebte Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten. Sollte er einmal interstellar verschwinden, wünscht er sich, dass Sophie Hunger seine Musik weiterträgt.
Vor der Sendung beantwortete Eicher 10 Fragen schriftlich. Zu seinen musikalischen Anfängen mit seiner Band Grauzone und dem Erfolg von «Eisbär» sagte er: «Sind wir da nicht ständig drin? Ausser auf alten Fotos ist meine Welt selten schwarz-weiss.»
Zu einem möglichen Treffen mit Mani Matter fragte er sich, wie dessen Liederschreibprozess aussehe.
Auf die Frage nach unerfüllten Träumen antwortete er mit Hilfe von ChatGPT: «Träume zeigen dir, wohin das Leben gehen kann – aber erst das Leben entscheidet, ob du gehst.»
Als Wunschtier nannte er eine Giraffe – oder gleich zwei.
Zum Thema Instrumente äußerte Eicher den Wunsch, die Querflöte durch ein Piano zu ersetzen: «weil man da eine Tasse bequem hinstellen kann.»
Seine Feinfühligkeit erwies sich als nützlich – bei der Formulierung seiner Antworten.
Er plant ein Buch über einen Eulenforscher, dessen Arbeit durch ein tragisches Ereignis unterbrochen wird.
Das Album «My Place» sieht er als Schlüsselwerk. Bei der Wahl eines Lebensortes bleibt er auf der Erde und scherzt: «Alle, die auf den Mars wollen, ihre Arbeit von Robotern machen lassen wollen – gute Reise! Ich mache mir lieber hier im Jetzt noch einen Kaffee.»
Ein Eldorado mit Schönen Melodien und tiefen Ruhe fände er ideal.
Zum Thema Leben nach dem Tod kündigte Eicher an, dies in seinem Buch «Danke!» zu behandeln – ein vielversprechender Titel für ein umfangreiches Werk.
Die Sendung «Swissmade» auf Radio SRF 1 präsentiert Schweizer Pop-, Rockmusik und Chansons. Sie feiert das Schaffen von Künstlern wie Adrian Stern, Sina bis hin zu Tinu Heiniger und vielen anderen.