Trotz einer Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA bleibt der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormuz nahezu zum Erliegen gekommen. Mehr als einen Tag nach der Vereinbarung wagte nur eine kleine Anzahl von Frachtern die Passage, obwohl vor dem Konflikt durch diese Wasserstraße 20 Prozent des weltweiten Erdöls transportiert wurden.
Teheran behauptet zwar grundsätzlich, dass die Straße geöffnet sei. Dennoch müssen Schiffe nach wie vor eine Genehmigung von Iran einholen und berichten zufolge auch hohe Gebühren an die Revolutionsgarden zahlen. Technische Probleme, darunter Seeminen, werden als Grund für die fortgesetzte Kontrolle genannt. Karten in iranischen Medien zeigen angebliche Minenfelder der iranischen Streitkräfte.
Die Reeder sind weiterhin vorsichtig und warten auf sichere Garantien seitens Irans, insbesondere angesichts Israels andauernder militärischer Aktionen gegen die Hisbollah im Libanon. Obwohl der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu am Donnerstag angekündigt hat, direkte Verhandlungen mit der libanesischen Regierung aufzunehmen, bleibt unklar, ob und wie sich Iran daran beteiligen wird.
Iran scheint die Straße nicht vollständig öffnen zu wollen, solange die Konflikte im Libanon weitergehen. Israelische Luftangriffe führten am Mittwoch zur schwersten Eskalation der Gewalt mit über 200 Toten und mehr als tausend Verletzten.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Ghalibaf betonte, dass der Libanon ein wesentlicher Bestandteil des Waffenstillstands sei. Israel und die USA sehen jedoch keinen Grund für eine Einstellung ihrer Operationen gegen die Hisbollah. Die Führung in Teheran steht unter Druck: Ein Nachgeben könnte ihre Stellung im Nahen Osten weiter schwächen.
Iran verfolgt derzeit eine ambivalente Strategie. Während es den Raketenbeschuss auf Israel und Golfstaaten eingestellt hat, bleibt die Straße von Hormuz weitgehend blockiert – ein entscheidender Punkt in den Verhandlungen mit den USA.
US-Präsident Donald Trump unterstützt Israels Handeln öffentlich. Doch Berichten zufolge soll er Netanyahu telefonisch dazu gedrängt haben, die Angriffe im Libanon zu reduzieren. Europa kritisiert das Vorgehen Israels scharf und warnt vor Energieknappheit.
Die Ankündigung Netanyahus, mit der libanesischen Regierung zu verhandeln, könnte indirekt auf die Drohungen Teherans zurückgeführt werden. Unklar ist weiterhin, ob Iran seine geplanten Gespräche in Pakistan am nächsten Samstag absagen wird.
Irans Präsident Masud Pezeshkian äußerte Zweifel an den Sinnhaftigkeit der Verhandlungen mit den USA aufgrund Israels Angriffe. Teheran könnte versuchen, die Spannung zu nutzen, um Amerika unter Druck zu setzen und Israel zum Einlenken zu bewegen.
Die drohende Eskalation im Libanon lässt Zweifel daran bestehen, ob der Friedensprozess in Islamabad erfolgreich verlaufen wird. Die Differenzen zwischen den USA und dem Iran sind weiterhin groß, und ein dauerhafter Frieden ist noch nicht erreicht.