Laut dem israelischen Historiker Guy Laron verfolgen Donald Trump und Benjamin Netanyahu im Konflikt mit Iran das Ziel, den Ölfluss aus dem Golf in Richtung Westen zu lenken. Dies würde die Energiekosten für China erhöhen, während der Westen profitiert. Erdöl hat seit dem Ersten Weltkrieg eine ähnliche Bedeutung wie Seide im 9. und Gewürze im 16. Jahrhundert. Laron zufolge haben historische Mächte stets versucht, den Handel zu ihren Gunsten zu beeinflussen. In seinem kommenden Buch über Ölkriege, dessen Veröffentlichung passenderweise auf das aktuelle Geschehen abgestimmt ist, argumentiert Laron, dass technologische Fortschritte und geopolitische Spannungen die US-amerikanische Energiepolitik gegen Russland lenken. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlagerte sich der Einfluss auf Ölmarkte von Russland zu den USA. Der Erste und Zweite Weltkrieg wurden durch den Kampf um Erdöl geprägt, während im Kalten Krieg die Kontrolle über Nahostölvorkommen zentral war.
Die strategische Bedeutung des Nahen Ostens liegt in seiner Rolle als “Tankstelle” Eurasiens. Laron hebt hervor, dass die Region eine immense Konzentration von Öl und Gas besitzt, was sie zu einem Machtinstrument macht, besonders mit dem Aufkommen der KI-Revolution. Mit modernen Frackingtechnologien hat sich das Problem des “Peak Oil” in Überfluss verwandelt. Europas Fokus auf erneuerbare Energien wird als strategischer Fehler betrachtet, da die Abhängigkeit von Öl und Gas weiterhin besteht. Die Sicherheitsstrukturen aus den 1970er Krisen verhindern bisher einen Preisschock durch Blockaden in der Strasse von Hormuz.
China sieht sich jedoch als Hauptverlierer dieser Strategie, da es stark auf die Versorgung aus Venezuela und Iran angewiesen war. Laron weist darauf hin, dass Trumps Vorgehen China überraschte. Die mögliche Absicht hinter der Blockade könnte sein, Chinas Energieabhängigkeit zu schwächen und alternative Pipelines durch Israel zu fördern. Dieser Plan spiegelt eine Rückkehr zur Energiestrategie des Kalten Krieges wider, wobei Europa von russischen Importen unabhängiger werden soll.