Laut einer Studie müssen Personen über 75 Jahre, die Auto fahren möchten, alle zwei Jahre eine medizinische Überprüfung ihrer Fahrtüchtigkeit durchlaufen. Diese Praxis ist jedoch nach Kantonen und Sprachregionen unterschiedlich geregelt und variiert stark hinsichtlich der verwendeten Verfahren. Brigitte Gantschnig, Mitautorin der Studie und Projektleiterin an der ZHAW, kritisiert die fehlende Standardisierung: “In der Schweiz gibt es keine einheitliche und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Fahreignungsprüfung.” Die Rollen der beteiligten Fachleute sind oft unklar definiert. Mediziner tragen beispielsweise eine Doppelrolle als Betreuer und Gutachter, während wichtige Berufsgruppen wie Neuropsychologinnen oder Fahrlehrer in den Prüfungen fehlen.
Die Studienautoren bemängeln zudem die eingeschränkte Aussagekraft der aktuellen Testmethoden. Autofahren erfordert komplexe Fähigkeiten, einschließlich Aufmerksamkeit und visuomotorische Koordination. Die momentan üblichen kognitiven Tests, wie solche zur Demenzdiagnose, reichen nicht aus, um die Sicherheit im realen Verkehr zu beurteilen.
Die Forscher sehen in praktischen Fahrtüchtigkeitsprüfungen auf der Straße die beste Lösung. Hierzu fehlt es jedoch an standardisierten Abläufen und genügend qualifizierten Fachkräften.
Zukünftig sollten Ärzte, die solche Tests durchführen, eine verpflichtende spezielle Ausbildung absolvieren, die auch anderen Berufsgruppen offenstehen sollte. Laut Gantschnig könnten dadurch langfristig Kosten und Unfallrisiken gesenkt werden: “Durch praktische Fahrtüchtigkeitstests könnte man die Gesellschaftskosten reduzieren.” Solche Tests seien zwar teurer, da sie mehr Fachleute erfordern.
Standardisierte Fahrabklärungen im realen Verkehr gelten als verlässlichste Methode und sind besonders wichtig bei kognitiven Beeinträchtigungen. Die Experten schlagen ein vierstufiges Bewertungssystem vor, das von “nicht geeignet” bis “fährt sicher” reicht.
Die Vorschläge sollen in eine nationale Strategie eingebunden werden, um die Praxis zu vereinheitlichen und Fachkräfte sowie Bürger besser zu informieren. Unterstützungsangebote für Betroffene, die ihren Führerausweis abgeben mussten, sollten verstärkt werden.
Die Studie wurde von der Hochschule für Sozialarbeit und Gesundheit Lausanne gemeinsam mit der ZHAW durchgeführt.