Seit rund drei Jahren ermöglicht die Studie «Züri Can – Cannabis mit Verantwortung» in Zürich den Zugang zu Cannabis an definierten Orten wie Apotheken, Social Clubs oder im Drogeninformationszentrum gegen Ausweis. Diese von der Stadt Zürich und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich durchgeführte Studie untersucht die Auswirkungen eines regulierten, nicht-kommerziellen Cannabis-Zugangs auf Gesundheit und Konsumverhalten. Nach zwei Jahren ziehen die Städtischen Gesundheitsdienste eine positive Zwischenbilanz: Teilnehmer zeigen weniger problematischen Konsum, verringerte Abhängigkeit sowie geringere Angst- und Schlafstörungen. Auch körperliche Beschwerden nehmen ab, und Depressionen bleiben stabil.
Diese Verbesserungen werden auf begleitende Massnahmen zur Schadensminderung zurückgeführt, darunter Beratung, klare THC-Grenzwerte und strikte Kauflimiten. Die Forschenden heben hervor, dass solche Maßnahmen die gesundheitlichen Probleme der Nutzer verringern können. Trotzdem basieren die zentralen Befunde auf den Selbstauskünften von 3100 Teilnehmenden, was Erinnerungsfehler oder soziale Erwünschtheit begünstigen kann.
Barbara Burri, Projektleiterin bei «Züri Can», betont die Anonymität der Datenerhebung und dass keine Verzerrungen durch Teilnehmer erwartet werden. Sie weist darauf hin, dass das Teilnehmerfeld heterogen ist; ein Viertel der Studienanfänger hatte einen problematischen Konsum, welcher auf etwa ein Fünftel sank.
Trotz positiver Ergebnisse bleibt die Frage offen, wie stark der Schwarzmarkt durch das Projekt beeinflusst wird. Rund 1000 Kilogramm Cannabis wurden den Teilnehmern zur Verfügung gestellt – dies entspricht einem Marktpreis von zehn Millionen Franken und wurde dem Schwarzmarkt entzogen.
Zürich ist nicht alleine: Ähnliche Studien finden auch in anderen Schweizer Städten statt, deren Ergebnisse der Debatte um ein geplantes Cannabisproduktegesetz zugutekommen. Kritiker fragen, ob die positiven Effekte womöglich überschätzt werden und so eine Legalisierung wissenschaftlich ‹schönreden›.
Burri betont jedoch, dass es nicht um Legalisierung, sondern um strenge Regulierung geht. Der Ansatz unterscheidet sich vom US-amerikanischen Modell, bei dem Gewinninteressen den Verkauf von stärkeren Produkten fördern könnten. Die Schweizer Studien könnten langfristig zu einem nationalen Gesetz beitragen.
Die Datensammlung und das Projekt in Zürich werden fortgesetzt; das Stadtparlament hat die Studie bis Oktober 2028 verlängert, mit einer Finanzierung von 800.000 Franken.