Bei den jüngsten Grossratswahlen im Kanton Bern zeigte sich die SVP als stärkste Siegerin. Mit einem Zugewinn von sieben Sitzen besetzt die Partei nun 51 der insgesamt 160 Parlamentssitze. “In den letzten Jahren haben wir eine klare bürgerliche Politik im Grossen Rat verfolgt, was sich jetzt auszahlt”, erläutert SVP-Kantonalpräsident Manfred Bühler. Auch die SP kann einen Zuwachs von vier Sitzen verbuchen und hält nun 36 Sitze. “Für uns ist das ein Erfolg, trotz des Verlusts der Grünen”, kommentiert die SP-Kantonalpräsidentin Manuela Kocher Hirt. Die EDU sichert sich zwei zusätzliche Sitze. Die FDP behält ihre 18 Sitze und bleibt somit stabil.
Verliererin schlechthin ist die EVP, die vier ihrer neun Parlamentssitze einbüßt. EVP-Kantonalpräsidentin Barbara Stotzer-Wyss macht das Wahlsystem für den Verlust verantwortlich: “Die Wahlen haben gezeigt, dass es extrem ungerecht sein kann.” Parteien mit einem geringeren Wähleranteil erhalten mehr Sitze als gerechtfertigt. Die Mitte verliert drei und die Grünen zwei Sitze, während die Grünliberalen einen Sitz weniger erhalten.
Der Politologe Marc Bühlmann merkt an: “Es gab keine umfassende Verschiebung zugunsten eines Lagers oder Blocks, sodass nun alleine entschieden werden könnte.” Dies sei essenziell für eine funktionierende Demokratie. Im Vergleich zu anderen Kantonen zeichne sich das Berner Kantonsparlament durch Vielfalt aus, was bei dieser Wahl bestätigt wurde. Die fast halbierten Sitze der EVP überraschen Bühlmann.
Zu den Neugewählten zählen Andrea Geissbühler, ehemalige SVP-Nationalrätin, die nun ins Kantonsparlament einzieht, sowie Lena Allenspach, Co-Präsidentin der SP Stadt Bern. Maja Neuenschwander von den Grünliberalen, eine frühere Marathonläuferin und Gemeinderätin aus Rubigen, gehört ebenfalls zu den Neugewählten.
Unter den Abgewählten sind Stefan Berger (SP) und Francesco Rappa (Mitte), beide Burgdorfer Politiker. Auch Madeleine Amstutz, ehemals SVP nun parteilos, sowie Tom Gerber von der EVP wurden nicht wiedergewählt; beide waren auch für den Regierungsrat angetreten. Insgesamt konnten 19 Grossräte ihre Sitze nicht verteidigen.
Am 29. März 2026 stehen im Kanton Bern die Wahlen zur Regierung und zum Parlament an. Es werden sieben Mitglieder des Regierungsrates sowie 160 Abgeordnete des Grossen Rates gewählt.