In der Schweiz besteht Sorge, dass die nationale Fluggesellschaft ein zweites Mal verloren gehen könnte. Dennoch idealisiert man die Vergangenheit häufig zu sehr.
Die Lufthansa spricht von einer Dachmarkenstrategie; in der Schweiz wird dies jedoch als typische deutsche Dominanz wahrgenommen. Vor einem Jahr begann die Swiss, den Slogan «Member of Lufthansa Group» auf ihre Flugzeuge zu setzen – sichtbar neben dem Schweizerkreuz am Heck. Auch Lounges und Bordansagen unterstreichen diesen Status.
Die Swiss agiert nun als eine Zürcher Niederlassung der Lufthansa mit einem internationalen Netzwerk, das ein schweizerisches Flair beibehält. Frankfurt übernimmt die technische Seite, während Kloten für Details wie Borddüfte und Menus verantwortlich ist. Änderungen in der Lufthansa-Politik werden von der Swiss umgesetzt, wie etwa bei den Bordtarifen.
Seit dem 1. Juli 2007 gehört die Lufthansa die Swiss vollständig. Die Airline hatte zuvor jährliche Verluste gemacht und versprach damals, dass sie ihre schweizerische Identität auch unter deutscher Führung behalten werde.
Zunächst gewährte die Lufthansa der Swiss viele Freiheiten, was ihr zum Erfolg verhalf. Die Airline profitiert von der starken Marke Schweiz und bleibt bei vielen Schweizern beliebt, trotz attraktiverer Alternativen.
In Deutschland hingegen ist das Verhältnis zur Lufthansa nüchterner. Dort findet man keine nationalen Symbole auf den Flugzeugen, die einen abstrakten Vogel zeigen.
Dennoch gibt es eine zunehmende Distanz der Schweizer zu ihrer Airline. Kritikpunkte sind unter anderem schlechte Pünktlichkeit und verlorene Gepäckstücke.
Die Swiss erzielte trotz schwacher Leistungen hohe Gewinne, wobei ihre Integration in die Lufthansa immer weiter voranschreitet. Die Kritik richtet sich auch gegen das Gefühl, dass die Airline mehr an Schweizer Einkommen als an ihren Passagieren interessiert sei.
Trotz Kritik wäre ein eigenständiges Handeln der Swiss kaum erfolgreicher gewesen. Ihre Integration in Lufthansa bringt Vorteile: Preisabsicherung, IT-Lösungen und Flugzeugbeschaffung werden effizienter gestaltet.
Als Teil des Lufthansa-Konstrukts profitiert die Swiss von Kerosinpreisen, funktionierender IT sowie neuen A350-Flugzeugen. Ohne diese Verbindung wäre sie zu klein, um ihr heutiges Streckennetz aufrechtzuerhalten.
Die Swiss bietet viele Direktverbindungen an, was sowohl den Tourismus als auch die Wirtschaft fördert. Die Nostalgiker sollten sich an das Scheitern der Swissair erinnern, die durch ihre Hunter-Strategie in die Krise geriet.
Um Vorteile voll auszuschöpfen, muss die Integration harmonisiert werden. Dieses Jahr soll ein Integrationsprogramm abgeschlossen werden: Die Swiss kann weiterhin das Passagiererlebnis steuern, während andere Entscheidungen zentral getroffen werden.
Die Swiss verbessert ihr Langstreckenservice und plant den Einsatz neuer Flugzeuge sowie Starlink-Internet. Die Lufthansa muss jedoch darauf achten, dass die Swiss ihre einzigartige Qualität beibehält und sich von anderen Airline-Marken abhebt.
Sollte dies nicht gelingen, wird sie an Attraktivität verlieren und Kunden an Konkurrenten verlieren. Dann könnte das Schweizerkreuz auf den Flugzeugen verschwinden – eine Situation, die alle Beteiligten negativ betrifft.