Aufgrund der Anpassung von Flugrouten nach dem Iran-Krieg erhöhte sich die Zahl der Transits über Afghanistan drastisch. Inzwischen fliegen wöchentlich rund 2000 Flüge über das Land, was eine fünffache Zunahme im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Die Taliban erheben pro Flugzeug eine Gebühr von 700 Dollar, was ihnen wöchentliche Einnahmen von etwa 1.4 Millionen Dollar und jährlich über 70 Millionen Dollar einbringt. Diese Praxis ist besonders bemerkenswert, da Afghanistan kaum Maßnahmen zur Gewährleistung der Flugsicherheit trifft.
Fluggesellschaften haben kaum Alternativen und fliegen trotz der anhaltenden Unsicherheiten über Afghanistan. Der Flugkorridor von Europa nach Asien ist durch den Ukraine-Krieg im Norden sowie Konflikte im Nahen Osten im Süden eingeschränkt, was eine Routenanpassung unvermeidlich macht. Die Airlines nutzen verstärkt die Lufträume Afghanistans und Saudi-Arabiens.
Normalerweise variieren Überfluggebühren in Europa nach Streckenlänge und Flugzeuggewicht und werden durch Eurocontrol erhoben, wobei Skyguide in der Schweiz im letzten Jahr 623 Millionen Franken einnahm. Anders als europäische Länder verlangt Afghanistan eine pauschale Gebühr pro Passagierflugzeug, eingeführt seit 2017.
Afghanistan bietet keine funktionierende Luftsicherung an; Piloten müssen sich selbstständig koordinieren und Flüge per E-Mail anmelden. Trotz einer Überflughöhe von etwa 10’000 Metern, die Raketenangriffe verhindert, bleibt dies problematisch.
Einige Airlines haben Flugverbindungen reduziert oder gestrichen. Die Swiss fährt ihre Verbindungen nach Dubai und Tel Aviv weiterhin nicht fort. Tui Suisse hat Reisen in die Golfstaaten bis zum 28. April abgesagt, da sich das Interesse auf Destinationen wie Spanien und die Karibik verlagert.
Die Wahl der Flugrouten stellt eine Herausforderung für Airlines und Passagiere dar. Direktflüge nach Asien sind oft doppelt so teuer wie solche mit Zwischenlandungen in den Golfstaaten, wo Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways günstige Preise anbieten. Jedoch bergen Zwischenstopps Risiken durch die Kriegslage.