In Teheran befindet sich ein außergewöhnliches Museum für moderne Kunst, das die komplexe Dualität des Landes symbolisiert. Die Architektur verbindet Sichtbeton mit traditionellen iranischen Windtürmen und beherbergt im Kellergeschoss Meisterwerke von Picasso, Warhol und Pollock sowie Giacometti-Statuen. Ein spiralförmiger Gang führt Besucher in die Tiefe zu einer Erdölwanne des japanischen Künstlers Noriyuki Haraguchi, die das iranische Sonnenlicht widerspiegelt.
Seit seiner Eröffnung 1977 verkörpert dieses Museum die gesellschaftliche Spannung zwischen Tradition und Moderne, Ost und West. Neben Kunstwerken von Van Gogh und Monet finden sich im Museum Porträts der Revolutionsführer, ein Zeichen für das Verhandeln widersprüchlicher Ideologien durch die Islamische Republik.
Mit über 3000 Kunstobjekten und einem geschätzten Wert von drei Milliarden Euro ist es das bedeutendste Kunstmuseum Irans. Selbst nach der Revolution blieb diese Sammlung unangetastet, wird jedoch politisch genutzt, da sie ideologisch stört. Das Museum wurde kurz vor dem Exil des Schahs eröffnet und repräsentiert dessen Modernisierungsbestrebungen.
Donna Stein, die damals für das Museum eine Ankaufsstrategie entwickelte, arbeitete aus einer privilegierten Perspektive der städtischen Oberschicht. Ihre Erfahrungen in Teheran beschreibt sie als westlich geprägt, obwohl das Regime politisch umkämpft war und Armut weit verbreitet.
Die Schah-Dynastie sah sich mit Unzufriedenheit konfrontiert, was 1979 zur islamischen Revolution führte. Ayatollah Khomeini formte daraufhin einen neuen Staat nach seinen Vorstellungen, der die Freiheiten einschränkte. Das Museum jedoch blieb ein Aushängeschild und wurde zu einem Instrument der Soft Power.
Seit 1999 finden regelmäßig Ausstellungen westlicher Künstler statt, wenn auch unter strengen Auflagen des Regimes. Eine geplante Ausstellung in Berlin scheiterte an den politischen Spannungen, zeigt aber die innenpolitische Allianz gegen Westkontakte.
Die moderne iranische Gesellschaft ist weit entfernt von der religiösen Umerziehung und tendiert zunehmend zu säkularen Werten. Diese Entwicklung stellt eine Herausforderung für das Regime dar, wie der Iran-Experte Robert Steele betont und auf die gegenwärtigen Proteste verweist.
Das Museum könnte bald erneut im Zentrum eines politischen Umbruchs stehen. Donna Stein hofft instinktiv, dass die wertvolle Sammlung sicher verwahrt wird. Die Zukunft des Museums bleibt ungewiss, besonders angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen und Angriffe auf Teheran.