Die Sozialdemokraten haben bei der Parlamentswahl in Dänemark ein historisches Tief erreicht, bleiben jedoch die stimmenstärkste Partei. Dies eröffnet den Weg zu einer komplexen Regierungsbildung.
(dpa) Trotz des schlechtesten Ergebnisses ihrer Geschichte seit über einem Jahrhundert bei der Wahl in Dänemark will Mette Frederiksen weiterhin als Regierungschefin fungieren. „Es ärgert mich, dass wir nicht mehr Stimmen erhalten haben“, sagte sie während ihrer Rede in der Wahlnacht. Dennoch seien die Sozialdemokraten nach wie vor „die beliebteste politische Partei der Dänen“.
Die Partei erhielt 21,9 Prozent der Stimmen und belegt damit den ersten Platz, erreichte jedoch das schlechteste Ergebnis seit über hundert Jahren. Im Vergleich zur Wahl 2022 ist dies ein deutlicher Rückgang, sodass die Sozialdemokraten zwölf Mandate verlieren werden.
„Unter äußerst schwierigen Bedingungen hatten wir die Regierungsführung“, erklärte Frederiksen mit Blick auf die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg und andere Krisensituationen. Sie betonte, dass das Resultat unter diesen Umständen „in Ordnung“ sei. Obwohl sie für ihre restriktive Migrationspolitik bekannt ist, hob Frederiksen hervor, dass die unsichere globale Lage ein Zusammenwirken erfordert. Wen sie künftig regieren will, ließ sie offen.
Die Regierungsbildung wird kompliziert sein, da das Wahlergebnis keine klare Mehrheit im Parlament lieferte. Sicher ist nur: Die Drei-Parteien-Koalition unter Frederiksen hat faktisch eine Abwahl erlitten. Trotz ihrer Unbeliebtheit habe sie in Krisenzeiten viel erreicht, sagte die Regierungschefin. Auch eine Koalition der Sozialdemokraten mit mehreren links-grünen Parteien hätte keine Mehrheit.
Das dänische Parlament besteht aus 179 Sitzen: 175 werden in Dänemark selbst vergeben, zwei weitere jeweils in Grönland und auf den Färöer-Inseln. Die Auszählung der grönländischen Stimmen sollte am Morgen erfolgen.
Ohne die nordatlantischen Abgeordneten kommt der „Rote Block“ aus linken Parteien nach der Wahl auf 84 Sitze – vierzehn mehr als zuvor. Der bürgerlich-konservative „Blaue Block“ hält nun 77 Sitze.
Die relativ neue Partei Moderaterne, angeführt von Aussenminister Lars Løkke Rasmussen und politisch in der Mitte angesiedelt, könnte mit ihren 14 Mandaten wieder eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen über die zukünftige Regierung spielen.
Frederiksens Herausforderer, Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen, setzte sich für eine bürgerlich-konservative Regierung unter Einbeziehung von Rasmussens Partei ein.