Trotz zuvor entgegenstehender Aussagen kam es nicht zum erwarteten Telefonat zwischen dem libanesischen Präsidenten und Israels Regierungschef. Die Waffenruhe zwischen Israel und Libanon tritt dennoch am Donnerstag in Kraft, wie US-Präsident Donald Trump über sein soziales Netzwerk bekannt gab. Seit sechs Wochen kämpfen israelische Truppen im Süden des Libanons gegen die iranisch unterstützte Schiitenmiliz Hizbullah, nachdem diese Anfang März das Feuer auf Israel eröffnet hatte.
Trump behauptete vor der Bekanntgabe, dass er mit beiden Staatsführern “exzellente Gespräche” geführt habe und kündigte an, sie nach Washington einzuladen. Dort sollen die ersten bedeutenden Friedensverhandlungen zwischen den beiden Ländern seit 1983 stattfinden. Allerdings stehen Hindernisse einem langfristigen Frieden im Wege.
Libanons Präsident Joseph Aoun hatte ein Telefonat mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu abgesagt, da die israelischen Luftangriffe auf den Süden des Libanons andauerten. Nach erheblichem Druck von Trump stimmte Netanyahu schließlich einer Waffenruhe zu.
Der Konflikt forderte bislang etwa 2200 Todesopfer im Libanon und rund 1700 Hizbullah-Kämpfer, wobei ein Fünftel der libanesischen Bevölkerung flüchten musste. Die USA streben eine schnelle Beendigung des Konflikts an, was auch Irans Interesse an einem Waffenstillstand widerspiegelt.
Trump verknüpft die Feuerpause mit den bevorstehenden Verhandlungen zwischen Libanon und Israel, um Irans Bedingungen zu erfüllen und dessen Einfluss in Libanon einzudämmen. In Washington trafen bereits libanesische und israelische Botschafter für erste Gespräche aufeinander.
Die Haltbarkeit der Waffenruhe ist fraglich, da ein Sprecher des Hizbullah forderte, dass die Feuerpause ganz Libanon umfassen müsse. Israel plant seinen Truppenabzug aus dem Land bisher nicht und hat den Ort Bint Jbeil bereits fast vollständig eingenommen.
Die anstehende israelische Besetzung könnte Friedensverhandlungen behindern, da der Hizbullah sich gegen die Entwaffnung wehren könnte. Trotzdem betont der libanesische Ökonom Nadim Shehadi: “Es ist gut, dass jetzt der Staat verhandelt.” Doch Kommentare des israelischen Botschafters haben Misstrauen gesät und könnten Verhandlungen erschweren.
Die von Trump initiierten Gespräche bergen das Risiko, die innerlibanesischen Spannungen weiter zu vertiefen.