Das Etikett “geistesgestört” für mächtige Politiker ist verlockend, doch psychiatrische Diagnosen sind oft politisch motiviert. Fachleute raten davon ab, selbst bei Trumps Verhaltensauffälligkeit. Nachdem Donald Trump ein Bild von sich als Jesus gepostet hatte und es dann als Arzt-Bild rechtfertigte, verbreitete sich in den sozialen Netzwerken ein Meme mit ihm, Jack Nicholson und Will Sampson aus “Einer flog über das Kuckucksnest”. Trumps Äußerungen wie die Drohung gegen Iran oder Konflikte mit Papst Leo verstärkten diese Wahrnehmung. Ein Auftritt bei der Lieferung von McDonald’s im Weißen Haus, wo er eine Kurierin fragte, ob sie ihn gewählt habe und was sie über Männer im Frauensport denke, fügte dem Bild eines erratischen Verhaltens hinzu. Kommentatoren und politische Gegner sehen nun eindeutig psychopathologische Muster in seinen Handlungen. Bereits während seiner ersten Amtszeit gab es Spekulationen über Trumps geistigen Zustand, die durch sein aggressives Auftreten im Konflikt mit Iran verstärkt wurden. Ehemalige Unterstützer wie Marjorie Taylor Greene und rechte Podcaster erkennen eine neue Stufe des “Irrsinns” in ihm. Die Demokraten haben ebenfalls psychiatrische Kenntnisse erworben, die ihnen bei der Beurteilung von Joe Biden gefehlt hatten. Nancy Pelosi wies auf Trumps Verhalten hin und empfahl einen Psychiater für eine Diagnose. In Iran forderten psychologische Gesellschaften die Überprüfung seiner geistigen Eignung, da er als Gefahr für den Weltfrieden angesehen wird. Während Iraner ihre Sorge im Kontext des Konflikts mit den USA äußern, räumt man weltweit Trumps ausgeprägten Narzissmus ein. Allerdings reicht dies nicht für eine Amtsenthebung aus. Psychologen analysieren Trump oft ohne an berufsethische Standards zu halten. Die Goldwater-Regel verbietet Ferndiagnosen, doch viele überschreiten diese Grenze. Allen Frances warnte vor der schnellen Pathologisierung politisch problematischen Verhaltens und betonte die Gefahren einer solchen Psychologisierung. Psychiater wie die 27 Autoren von “The Dangerous Case of Donald Trump” finden in seinen Reden und Tweets genug Anlass, ihm ein manisches Temperament und andere Störungen zuzuschreiben. Solche Diagnosen sind oft politisch motiviert und untergraben die Glaubwürdigkeit der Psychiatrie. Die Gesundheit von Präsidenten wird öffentlich diskutiert, wobei geistige Zustände schwerer zu beurteilen sind als körperliche Fitness. Forscher haben bereits psychische Störungen bei früheren US-Präsidenten vermutet, aber diese bleiben Spekulation. Trump wehrt sich vehement gegen Vorwürfe des geistigen Niedergangs und betont seine Gesundheit. Er bezeichnete sich selbst als “geistig sehr stabiles Genie”, was die Frage aufwirft, wie berechnend sein sogenannter “Irrsinn” tatsächlich ist.