Nach dem Überfall auf das ehemalige israelische Konsulat in Istanbul hat die Türkische Justiz 198 Personen festgenommen. Wie der türkische Justizminister Akin Gurlek bekannt gab, befinden sich zwölf Verdächtige bereits seit Mittwoch in Polizeigewahrsam. Darunter sind zwei verletzte Angreifer, die nach einem Schusswechsel im Krankenhaus behandelt wurden, sowie ein dritter Täter, der am Tatort getötet wurde.
Der Vorfall ereignete sich am Dienstagmittag im Geschäftsviertel Levent. Drei bewaffnete Angreifer aus einer benachbarten Provinz griffen mit Gewehren an und verletzten dabei zwei Polizisten leicht. Die Schießerei dauerte mindestens zehn Minuten, wie Augenzeugen berichteten.
Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich keine israelischen Diplomaten mehr im Konsulat, welches nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 evakuiert wurde. Ein Bekennerschreiben zum Anschlag liegt nicht vor; jedoch berichten Medien, dass einer der getöteten Angreifer mit dem IS in Verbindung stand.
Das Innenministerium bestätigte die Verbindungen eines Täters zu einer terroristischen Organisation, die religiöse Instrumentalisierung betreibe. Die beiden verletzten Brüder sind laut Gurlek im Drogenhandel aktiv.
Freier Journalist Thomas Seibert deutet darauf hin, dass es sich um eine sorgfältig vorbereitete Aktion handelt, möglicherweise sogar mit einem Kamerateam zur Dokumentation. Die Leere des seit zwei Jahren evakuierten Konsulats unterstreicht den symbolischen Charakter der Tat.
Die mutmaßliche Beteiligung des IS ist für die Türkei besonders brisant, da sich dort Zellen formiert haben und die Täter alle türkische Staatsbürger waren. Nach einem schweren Zusammenstoß mit einer IS-Zelle im Dezember in der Nähe Istanbuls werden nun umfangreiche Ermittlungen geführt.
Seibert erklärt die zahlreichen Festnahmen durch das breite Vorgehen nach solchen Ereignissen, ähnlich dem Prozess um den Bürgermeister Ekrem İmamoğlu. Es wird ein Netzwerk zur Untersuchung herangezogen.