Die Forderung der SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», wonach die Wohnbevölkerung bis 2050 nicht mehr als zehn Millionen Menschen erreichen soll, steht im Mittelpunkt politischer Diskussionen. Der Weg zum Ziel ist jedoch unklar. Die Initiative verlangt, dass zwei Jahre nach Überschreitung des Grenzwerts die Personenfreizügigkeit mit der EU gekündigt werden muss. Dieser Aspekt scheint direkt umsetzbar zu sein. Unbestimmt bleibt hingegen, welche konkreten Massnahmen Bundesrat und Parlament ergreifen sollten, um das Ziel zu erreichen. Obwohl die Initiative Maßnahmen ab einer Bevölkerung von 9,5 Millionen vorsieht – insbesondere im Asylbereich und beim Familiennachzug – ist deren Wirkung auf die Zuwanderungsrate begrenzt. Asylsuchende stellen nur einen kleinen Anteil der Migration dar (8 bis 13 % in den letzten 25 Jahren). Die Hauptfrage lautet, wie die Schweiz die Zuwanderung ohne Verlust des Wohlstands senken kann. Eine Lösung könnte sein, dass die ansässige Bevölkerung mehr arbeitet, was die Notwendigkeit zur Rekrutierung von Arbeitskräften aus dem Ausland verringern würde. Hier spielt Teilzeitarbeit eine Rolle: Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) beschreibt «Lifestyle-Teilzeit», bei der Personen freiwillig weniger arbeiten, um mehr Freizeit zu genießen – ein Phänomen besonders unter älteren und gut verdienenden Gruppen. Würden alle Teilzeitarbeiter auf Vollzeit umsteigen, könnten bis zu 86 000 Stellen geschaffen werden. Eine Steuerreform könnte helfen, unnötige Teilzeitarbeit zu reduzieren, indem sie Anreize für eine volle Arbeitswoche schafft. Der Bundesrat hat bereits die Problematik anerkannt und will Lösungen entwickeln. Ein weiterer Ansatz zur Reduzierung der Zuwanderung wäre die Erhöhung des Rentenalters auf 66 oder 67 Jahre, was den Fachkräftemangel verringern würde. Diese Maßnahme ist besonders relevant, da in naher Zukunft viele ältere Jahrgänge in Rente gehen werden. Eine solche Anpassung könnte laut einer Studie von Ecoplan die Nettozuwanderung um bis zu 23 % senken. Trotz der technischen Einfachheit und potenziellen Wirksamkeit ist ein höheres Rentenalter politisch heikel, da es in der Bevölkerung unbeliebt ist. Selbst der Bundesrat hat sich bisher davor gescheut, dies als Lösungsansatz voranzubringen.