Peter Magyar hat die Parlamentswahl in Ungarn entschieden für sich verbucht. Mit dem Erhalt von 138 der insgesamt 199 Mandate erringt seine Partei Tisza eine bedeutsame Zweidrittelmehrheit im Parlament, was bedeutende Reformen und Verfassungsänderungen ermöglicht sowie den Austausch von Amtsträgern erlaubt. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent vor dem Schließen der Wahllokale einen Rekordwert.
Magyar, der Oppositionsführer und nunmehrige Wahlsieger, versprach in Budapest eine Neuaufstellung nach dem Sturz des Orban-Systems. Vor begeisterten Anhängern am Donauufer erklärte er: “Gemeinsam haben wir das Orban-System abgewählt und Ungarn befreit.” Er rief alle von der Regierung eingesetzten Marionetten zum Rücktritt auf.
Viktor Orbán, der Amtsinhaber, akzeptierte die Niederlage und erklärte, dass seine Partei auch aus der Opposition heraus dem Land dienen werde. Trotz seiner politischen Enttäuschung gratulierte er telefonisch dem Sieger.
Judith Huber von SRF analysiert den Wahlausgang als Resultat einer beschleunigten Wechselstimmung, die junge und bisherige Fidesz-Wähler erfasste. Laut ihrer Einschätzung habe Orban eine ideenarme Kampagne geführt, wogegen Magyar die alltäglichen Sorgen der Menschen geschickt adressiert habe.
Die Wahl wurde als entscheidende seit dem Umbruch von 1989/90 angesehen. Unter Orbán hatte sich Ungarn einem halb-autoritären Staat zugewandt und auf einen EU-kritischen Kurs gebracht, während gleichzeitig die Rechtsstaatlichkeit in Frage gestellt wurde.
Internationale Stimmen wie Ursula von der Leyen lobten den europäischen Geist des ungarischen Volkes. Auch Alain Berset vom Europarat und António Costa gratulierten Magyar.
In seinem Wahlprogramm kündigte Magyar an, Korruption und Misswirtschaft zu bekämpfen sowie die Beziehungen zur EU und den westlichen Partnern zu verbessern. Als ehemaliges Mitglied der Fidesz-Partei hatte er sich von ihrem autoritären Kurs abgewandt und eine breit getragene Bürgerbewegung ins Leben gerufen, die nun die neue Tisza-Partei stützt.