Péter Magyar hat Viktor Orbán abgelöst, was Gabor Györi vom Policy Solutions Budapest als historischen Machtwechsel bezeichnet. Der Politologe warnt jedoch vor zu viel Optimismus. Die größte Herausforderung steht für den Wahlsieger noch bevor.
Györi beschreibt eine breite Koalition von Wählern, die links bis rechts reicht und Magyar unterstützt hat, weil sie unzufrieden mit der Ignoranz gegenüber innerstaatlichen Problemen waren. Die Regierung hatte sich auf das Konstruieren von außenpolitischen Bedrohungen konzentriert, während soziale Einrichtungen und die Wirtschaft vernachlässigt wurden.
Die Propagandaapparatur der Orbán-Regierung funktionierte diesmal nicht. Györi meint: “Die wirtschaftliche Realität hat diese Regierung eingeholt. Man kann die Wirklichkeit auch mit der größten Propagandamaschine nicht überdecken.” Versprochen wurde eine stabile Wirtschaft, doch es kam zu keiner Verbesserung.
Orbáns Aufbau eines Systems unter seinen Anhängern in Justiz und Medien stellt Magyar vor eine gewaltige Herausforderung. Mit der erlangten Zweidrittelmehrheit könnte jedoch ein personeller Wechsel erfolgen, um die durch Orbán eingesetzten Personen abzulösen. Entscheidend ist nun, wer diese Positionen übernimmt.
Györi betont, dass es nicht genügt, einfach die Fidesz-Mitglieder durch Magyars Parteimitglieder zu ersetzen. Es muss darum gehen, staatliche Institutionen parteiunabhängig und unpolitischer machen. Experten ohne parteiliche Voreingenommenheit in Staatsanwaltschaft oder Medien sind notwendig.
Magyar wird mit Skepsis betrachtet; er ist neu in der Politik und verfügt über wenig Erfahrung. Auch viele seiner zukünftigen Parlamentskollegen sind unerfahren, was Hoffnung, aber keine Sicherheit bedeutet. Die Erwartungshaltung der Wähler ist jedoch klar: der Missbrauch von Macht soll ein Ende haben.
Magyars proeuropäischer Kurs findet Györis Zustimmung. Ungarn braucht die EU-Fördermittel, die blockiert sind, und wird sich dementsprechend verhalten müssen. Wenn rechtsstaatliche Probleme beseitigt werden, könnten diese Gelder wieder fließen.
Das Interview führte David Karasek im Tagesgespräch am 13.04.2026.