Erstmals seit Beginn der Ermittlungen nimmt die Walliser Staatsanwaltschaft einen Gemeindepolitiker zur Vernehmung. Nicolas Féraud, Präsident von Crans-Montana, betonte während einer Pressekonferenz am 6. Januar: «Die Gemeinde ist als Geschädigte am stärksten betroffen.» Diese Äußerungen lösten nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation», bei dem 41 Menschen ihr Leben ließen und über 100 verletzt wurden, breite Kritik aus.
Am Montag, dem 13. April, wurde Féraud als Beschuldigter im Rahmen der Ermittlungen vernommen, was ihn zum ersten Politiker macht, der in diesem Zusammenhang befragt wird. Gegen neun Personen wird ermittelt, darunter die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti sowie amtierende und ehemalige Gemeindebeamte, einschließlich Féraud und Kevin Barras, dem früheren Gemeinderat mit Sicherheitsaufgaben.
Féraud, Barras und weitere Beamten stehen unter Beschuldigung wegen fahrlässiger Brandstiftung, Körperverletzung sowie Tötung. Die Unschuldsvermutung gilt für alle Beteiligten. Schon früh kritisierten Opferanwälte die Verzögerungen bei den Anhörungen der Politiker. «Drei Monate und zwölf Tage seit dem Unglück sind eine späte Reaktion», bemängelte etwa Sébastien Fanti gegenüber SRF.
Die fehlenden Brandschutzkontrollen in Crans-Montana werden bei Férauds Anhörung im Fokus stehen. Die Bar «Le Constellation» wurde seit 2019 nicht mehr überprüft, was rechtswidrig ist, da die Walliser Verordnung alljährliche Kontrollen vorschreibt. Der ehemalige Sicherheitschef der Gemeinde hatte zuvor den Mangel an Personal für diese Aufgaben angegeben.
Zuletzt wurden auch kommunale Sicherheitsbeamte befragt; Jacques Moretti konnte seine Anhörung aufgrund psychischer Probleme verschieben.
Die Ermittlungen leitet weiterhin die Walliser Staatsanwältin Beatrice Pilloud. Garen Ucari, ein Genfer Opferanwalt, hatte erfolglos einen Ausstand der Staatsanwaltschaft gefordert und Vorwürfe wegen versäumter Untersuchungshaft sowie Datenverletzungen erhoben. Das Kantonsgericht sah keine schwerwiegenden Fehler bei der Staatsanwaltschaft und Ucari kündigte an, vor das Bundesgericht zu ziehen.