Der zukünftige ungarische Ministerpräsident Peter Magyar hat eine schnelle Übergabe der Macht gefordert und gleichzeitig den Rücktritt von Staatspräsident Tamas Sulyok verlangt. Dies geschieht nach einem hämischen Video über den ausscheidenden Regierungschef Viktor Orban, das zu einem viralen Hit im Internet wurde.
Am Mittwoch führte Magyar Interviews mit öffentlichen Medien, darunter dem Radio und TV-Sender M1 – einer früheren Bastion von Orbans Propaganda, die ihm als Oppositionsführer lange keine Plattform bot. In den Gesprächen kritisierte er scharf das staatliche Nachrichtenwesen, das er zur Verbreitung des Kriegswahns der Regierung nutze und damit Ängste in der Bevölkerung schüre. Trotz rechtlicher Bedenken eines Moderators bezeichnete Magyar die Sender als eine „Lügenfabrik“, die gegen das Gesetz verstoße.
Im Anschluss an die Interviews traf Magyar Präsident Sulyok, um über die Regierungsbildung zu sprechen. Dieser hatte vor zwei Jahren das Amt nach dem Rücktritt seiner Vorgängerin wegen eines Missbrauchsfall-Begnadigungsereignisses übernommen – ein Fall, der auch Magyars politische Karriere begünstigte. Sulyok kündigte an, dass er Magyar bei der ersten Parlamentssitzung zum Ministerpräsidenten vorschlagen werde.
Obwohl Magyar eine schnelle Übergabe forderte, bestand er weiterhin auf seinem Rücktrittsgesuch für den Präsidenten, den er als unwürdig bezeichnete. Trotzdem betonte der künftige Regierungschef, das Gespräch mit Sulyok sei respektvoll verlaufen.
Trotz seiner repräsentativen Rolle hat der Staatschef die Möglichkeit, Gesetzesvorlagen an ein Orban-nahe Juristen besetztes Verfassungsgericht weiterzuleiten. Magyar könnte Sulyoks Amtsfähigkeit unter bestimmten Umständen in Frage stellen, was umstritten wäre.
Magyars Besuch auf dem Burghügel wurde durch ein Video geprägt, in dem Orban am Regierungssitz sichtbar wird und nicht zu ihm zurückblickt. Das Bild postete Magyar auf Facebook mit einer spöttischen Frage über Orbans Lektüre.
Obwohl Donald Trump Orban zuletzt zur Wahl empfohlen hatte, äußerte er sich nun lobend über den Wahlsieger Magyar als einen „guten Mann”.