Valeria Delgado, eine Exilvenezolanerin in Amerika, erlebte die Festnahme Nicolás Maduros als ihren bisherigen Höhepunkt. Doch gleichzeitig lebt sie in der Angst vor einer Abschiebung und einer Trennung von ihren in den USA geborenen Kindern. Jeder Morgen könnte für Delgado der letzte sein, an dem sie ihre Kinder vor Schulbeginn umarmen kann: “Meine Kinder wurden hier geboren, sie sind Amerikaner”, erklärt sie. Sollten ihr und ihrem Mann Probleme mit den Behörden drohen, würden die Kinder bei ihrer Schwägerin bleiben, die die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Delgado hat sogar eine Vollmacht zur Übertragung des Sorgerechts unterschrieben, da ihre Asylanträge noch immer unbeantwortet sind.
Ihr Alltag in Miami ist geprägt von dieser Unsicherheit. Ihr älterer Sohn musste verstehen, warum er trotz seiner amerikanischen Staatsbürgerschaft nicht an einem Baseballturnier teilnehmen durfte – die Angst vor der Einwanderungspolizei verhinderte jede Reise in den USA. Diese ständige Unsicherheit hat Delgado und ihrem Mann das Gefühl genommen, dass ihr amerikanischer Traum zu einem Albtraum wurde: “Es ist traurig, mit dieser Angst zu leben”, sagt sie.
Vor mehr als zehn Jahren floh Delgado aus Venezuela aufgrund von Drohungen gegen ihre Familie. In den USA arbeitete sie für ein Medium der venezolanischen Opposition, was die Sorge vor einer Abschiebung noch verstärkt: “Ich habe für prominente Oppositionelle gearbeitet”, sagt Delgado.
Das Ehepaar stellte nach ihrer Ankunft in Amerika Asylanträge und erhielt Arbeitsgenehmigungen. Die Hoffnung auf den temporären Schutzstatus TPS unter Präsident Biden wurde jedoch von der Trump-Regierung zunichtegemacht, was eine Visumsantragung ihres Ehemannes für hochqualifizierte Fachkräfte scheitern ließ.
Delgado sieht sich und ihren Mann als anständige Menschen: “Wir arbeiten, bezahlen Steuern, besitzen eine Wohnung”, trotzdem leben sie in Angst. Ihre Hoffnung lag einst bei Trump, da sie einen härteren Kurs gegenüber der Einwanderung erwarteten. Doch die Politik Trumps sorgte für Verunsicherung: “Vor allem wegen der Sicherheit meiner Kinder kann ich nicht zurückkehren”, sagt Delgado.
Auch andere Venezolaner spüren diese Zerrissenheit, wie eine Umfrage der Florida International University zeigt. Viele Maga-zuelans bereuen ihre Entscheidungen oder haben gemischte Gefühle. Die Unsicherheit ist auch im Restaurant El Arepazo in Miami zu spüren, einem Treffpunkt venezolanischer Auswanderer. Carlos Tome, ein Eventmanager, äußert sich ebenfalls skeptisch zur Lage in Venezuela und sieht keine baldige Rückkehr für sich.
Unterdessen zeigt Alberto Briceño Optimismus bezüglich der wirtschaftlichen Aussichten Venezuelas, auch wenn er noch nicht offen spricht: “Ich habe Freunde, die bereits über eine Rückkehr nachdenken”, sagt er. Juan Fernández hingegen bleibt misstrauisch und befürchtet weitere Repressionen.
Delgado und ihr Mann erwägen nun einen Umzug in einen Drittstaat, obwohl sie Amerika nicht verlassen möchten: “Wir haben hier ein Leben aufgebaut”, sagt Delgado. Trotz aller Herausforderungen hofft sie darauf, dass die Lage sich bessert.