Im Herbst 2025 definierte sich die Freisinnige Partei neu und stimmte bei der Delegiertenversammlung in Bern mehrheitlich für die Unterstützung der EU-Verträge, während das Ständemehr abgelehnt wurde. Mit 330 zu 104 Stimmen fiel das Votum zugunsten der Verträge aus; 232 zu 189 Stimmen votierten gegen das Ständemehr. Diese Entscheidung hat nicht nur die Partei selbst, sondern auch die gesamte politische Landschaft beeinflusst und intensiviert die Diskussionen in der Schweiz.
Es ist verständlich, dass dieser Kurs nicht auf allgemeine Zustimmung stößt. Eine engere Bindung an Brüssel bei gleichzeitiger Abschwächung der kantonalen Mitbestimmung wird zwangsläufig Widerstand hervorrufen – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Partei. Das zentrale Thema ist die institutionelle Balance zwischen Bund, Kantonen und internationaler Zusammenarbeit, was tief in das politische System der Schweiz eingreift.
Auf einer Veranstaltung der FDP Zug richtete Urs Wietlisbach, Mitgründer der Partners Group und Initiator des Kompass-Volksbegehrens, harsche Kritik an der Partei sowie an Unterstützern wie Ständerat Matthias Michel. Zeugen beschreiben seine Rede als einen „Rundumschlag“, in dem Wietlisbach die strategische Ausrichtung grundsätzlich infrage stellte und dabei keine Zurückhaltung zeigte.
Der Beschluss in Bern steht, doch endet damit die Diskussion nicht. Gegner wie Wietlisbach treten umso offener auf, was ein Zeichen einer lebendigen politischen Kultur ist. Bei Themen dieser Tragweite ist der Widerspruch unvermeidlich und notwendig, da es um fundamentale Aspekte des Schweizer Staatswesens geht: Souveränität, direkte Demokratie und föderale Mitbestimmung stehen auf dem Prüfstand. Eine transparente und kontroverse Debatte über die künftige Rolle der Schweiz in Bezug auf die EU ist daher entscheidend.