Am Ostermontag versammelten sich erneut mehrere Hundert Menschen auf dem Münsterplatz von Bern, um ihren Friedenswillen zu bekunden. Der traditionelle Ostermarsch, unterstützt von linken Gruppierungen und kirchlichen Kreisen, richtet sich gegen Krieg und Unterdrückung. Das Anliegen ist hoch anständig; jedoch wirken die Forderungen nach Weltfrieden durch Appelle und Abrüstung mittels moralischer Argumente überholt.
In diesem Jahr nahmen erstmals Befürworter der Neutralitäts-Initiative teil, welche im Herbst zur Abstimmung ansteht. Kurt Scherrer aus dem Zürcher Oberland sowie Ursula Meier aus Brüttisellen sind davon überzeugt, dass Frieden nur durch eine parteilose Haltung gewährleistet werden kann. Sie argumentieren, dass sich Zurückhaltende besser vermitteln können. Der frühere Grüne-Nationalrat Jo Lang steht diesen Ansichten kritisch gegenüber und zweifelt an der Zustimmung unter den Demonstranten: Die Neutralitätsbefürworter dürften zwar mitlaufen, jedoch keine Mehrheit hinter sich versammeln, so sein Kommentar an die Weltwoche. Bekanntlich lehnt Lang wie das linke Establishment das Volksbegehren ab.
Es ist bedauerlich, denn die Demonstranten skandierten: «Stell dir vor, es ist Krieg – und keiner geht hin». Dieses Motto beschreibt seit Jahrhunderten das Erfolgsmodell der Schweiz. Die Schweiz beginnt keine Konflikte, mischt sich nicht ein oder unterstützt keine Kriegsparteien. Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit, sondern ist vielmehr Ausdruck nüchterner Vernunft. Sie hat Stabilität und Vertrauenswürdigkeit geschaffen – Tugenden, die heute selten geworden sind.
Jene, die den Frieden ernst nehmen, sollten diesen nicht als politische Parole missbrauchen. Denn Frieden beginnt nicht mit Plakaten, sondern mit einer festen Haltung. Die Schweiz wäre gut beraten, ihre Neutralität entschlossener zu verteidigen.