Nach Drohungen durch Donald Trump, dass eine ganze Zivilisation untergehen könnte, gilt nun eine zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA, dem Iran und Israel. Doch bei genauer Betrachtung der US-Strategie sind viele Probleme ungeklärt. Ein Hauptziel der USA war es, den Iran dauerhaft am Bau von Atomwaffen zu hindern – ein Ziel, das bisher unerreicht bleibt. Im Land befinden sich immer noch etwa 450 Kilo hoch angereichertes Uran. Darüber hinaus verfügt Teheran weiterhin über die technischen Fähigkeiten zur Herstellung von Nuklearwaffen. Diplomatie-Experte Fredy Gsteiger meint: “Der Wille, solche Waffen zu entwickeln, könnte sogar gestiegen sein.” Vielleicht glaubt man in Teheran nun, dass ein Drohpotential mit Atomwaffen vor dem Krieg hätte verhindern können. Die USA und Israel konnten die iranischen Streitkräfte zwar stark schwächen. Doch wie Gsteiger betont: “Von einem Regimewechsel kann keine Rede sein.” Trumps Behauptung, in Teheran seien andere Machtinhaber im Amt, ist unbegründet, da diese dieselbe Ideologie vertreten und möglicherweise noch entschlossener handeln könnten. Auch der Einfluss des Irans auf regionaler Ebene konnte nicht eingeschränkt werden. Die Hisbollah in Libanon, die Huthi-Miliz im Jemen und schiitische Gruppierungen im Irak unterstützen weiterhin den Iran aktiv, trotz erheblicher Schwächung durch Israel. Das Argument des Schutzes Israels als Begründung für das US-Eingreifen relativiert Gsteiger: “Washington glaubt eher an die Selbstverteidigungsfähigkeit Israels mit Unterstützung der USA.”
Die USA begründeten ihre Angriffe zudem mit dem eigenen Schutz vor iranischen Racheakten, obwohl Iran nie direkt militärisch bedrohlich war, wie Gsteiger klarstellt: “Teheran hat nie unabhängig von Vergeltungsaktionen US-Basen angegriffen.”
Die Öffnung der Strasse von Hormus als wirtschaftliches Ziel ist umstritten, da das Problem vor den Angriffen kaum existierte und die Sicherheit des Handelskorridors weiter fraglich bleibt: “Teheran könnte jederzeit erneut blockieren”, so Gsteiger.
Trotz der militärischen Schwächung Irans durch die USA bleiben deren strategische Ziele weitgehend unerfüllt. Ein “vollständiger Sieg” wie von Trump behauptet, scheint unwahrscheinlich. Gemeinsame Gespräche werden schwierig sein: Die Positionen der USA und des Iran sind zu stark divergent.
Teheran verlangt das Recht zur Urananreicherung, vollständige Aufhebung aller Sanktionen, Kontrolle über die Strasse von Hormus, US-Truppenabzug aus dem Nahen Osten sowie Milliarden an Reparationen. Die USA fordern hingegen ein Ende des iranischen Atomprogramms unter internationaler Aufsicht und Einschränkungen im Raketenbereich.
Die diametral entgegengesetzten Forderungen machen Verhandlungen extrem schwierig, wie Gsteiger anmerkt: “USA würden fast kapitulieren müssen, wenn sie alle iranischen Bedingungen akzeptierten.” Die Erwartungen an die Gespräche in Pakistan sind dementsprechend niedrig. “Wie man zu einer Einigung gelangen soll, ist derzeit nicht erkennbar.”, schließt Gsteiger.