Unter der Vermittlung Pakistans haben die USA und der Iran in Islamabad Verhandlungen über einen Frieden aufgenommen. Diplomatischer Korrespondent Fredy Gsteiger von SRF liefert Antworten zu den wesentlichen Fragen dieser Gespräche.
Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent und stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF, hatte vor seiner Tätigkeit als Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche» gewirkt.
Die US-Seite wird von Vizepräsident JD Vance angeführt, unterstützt durch Steve Witkoff und Jared Kushner. Für den Iran sitzt Parlamentspräsident Mohammad Bakr Khalibaf mit an dem Verhandlungstisch, der enge Verbindungen zu den in Teheran einflussreichen Revolutionswächtern pflegt. Begleitet wird er von Aussenminister Abbas Arragchi, welcher bereits bei den Genfer Gesprächen vor dem Krieg dabei war.
Anfänglich trafen sich die Delegationen mit pakistanischem Premier Shebaz Scharif, der als Vermittler fungierte. Am Nachmittag begannen dann die Verhandlungen – zunächst indirekt über die pakistanischen Vermittler, später bestätigte das Weisse Haus auch direkte Gespräche zwischen den beiden Seiten, was eine symbolträchtige Premiere darstellt.
Die bilateralen Verhandlungen sehen keine Teilnahme Israels vor. Die iranische Führung bestreitet nach wie vor das Existenzrecht Israels und hofft möglicherweise, dass Washington im Falle einer Einigung aufhört, Israel anzugreifen.
Die USA fordern die uneingeschränkte Öffnung der Meerenge von Hormus, ein definitives Ende jeglicher militärischer Atomprogramme des Iran, eine erhebliche Einschränkung des Raketenprogramms und das Beenden iranischer Unterstützung für Milizen gegen Israel. Der Iran hingegen möchte sein Uran weiter anreichern, die Kontrolle über Hormus behalten, Reparationen für Kriegsschäden einfordern, den Abzug aller US-Truppen aus dem Nahen Osten erreichen und eine Aufhebung der Sanktionen sowie ein Ende israelischer Angriffe auf die Hisbollah.
Angesichts der divergierenden Forderungen scheint ein Friedensabkommen nur realisierbar, wenn beide Parteien erhebliche Kompromisse eingehen und von ihren Maximalforderungen abrücken. Beide Seiten stehen unter Druck: Das Iranische Regime ist militärisch geschwächt und ökonomisch am Boden, während die USA kaum noch Ziele verfolgen können, die sie nicht bereits erreicht haben.
Jeder weitere Tag des Krieges verteuert sich zunehmend für alle Beteiligten. Ein hoher Preis nicht nur für die Weltgemeinschaft, sondern auch speziell für die Amerikaner und Präsident Trump selbst.