Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihren Austritt aus der Opec bekanntgegeben, was den Verlust eines Gründungsmitglieds sowie einen der größten Ölproduzenten weltweit für die Organisation bedeutet. Nahost-Experte Philipp Dienstbier erläutert, dass dies die Macht der Opec einschränkt und geopolitische Folgen nach sich zieht. Dienstbier leitet seit 2023 das Regionalprogramm Golf-Staaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Amman, Jordanien.
Der Austritt mindert nicht nur die Einflussnahme der Opec auf den Ölmarkt, sondern schwächt insbesondere Saudi-Arabien, welches innerhalb des Kartells eine dominante Rolle einnimmt. Die VAE waren mit rund zwölf Prozent Förderung eines der drei wichtigsten Mitglieder und verfolgen nun eigenständige wirtschaftliche Interessen.
Die Opec, bestehend aus Staaten wie Algerien, Kongo, Iran und Venezuela, wurde 1960 ins Leben gerufen, um die Erdölproduktion zu koordinieren. Ihr Ziel ist es, durch gemeinsame Entscheidungen über Fördermengen den Ölmarkt zu regulieren.
Seit 2016 gibt es zudem das erweiterte Bündnis Opec+, dem Länder wie Aserbaidschan und Russland angehören. Der Konflikt der VAE mit der Organisation resultiert aus ihrer Unzufriedenheit mit den festgelegten Förderquoten, die sie als zu niedrig ansehen. Die Emirate haben in neue Kapazitäten investiert und streben höhere Exportmengen an.
Die aktuelle Blockade der Straße von Hormus erschwert es ihnen, zusätzliches Öl abzusetzen. Diese Lage diente den VAE als Begründung für den Austrittszeitpunkt. Sie exportieren derzeit über eine Pipeline in Richtung Indischer Ozean nur etwa zwei Drittel ihrer Kapazität.
Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten haben sich abgekühlt, insbesondere im Kontext des Jemen-Konflikts. Wirtschaftlich treten beide Staaten immer stärker in Konkurrenz zueinander, da die VAE ihre Abhängigkeit von Öl verringert haben und Saudi-Arabien mit seiner Vision 2030 ebenfalls eine Diversifizierung anstrebt.
Das Interview führte Matthias Kündig.