Nach einer anstrengenden Aktion, bei der ein eigens ausgehobener Kanal von 100 Metern Länge genutzt wurde, ist es den Rettern gelungen, den gestrandeten Meeressäuger auf eine Barge zu befördern. Dort soll ein Schlepper das Schiff in die Nordsee ziehen.
Die Einladeaktion des Wals auf die Plattform dauerte mehrere Stunden. Die Einsatzkräfte zogen das Tier mit Gurten zum Lastkahn und um 14:45 Uhr war es endlich sicher im abgesenkten Kahn untergebracht.
Früh am Tag hatten Helfer Boote in Kirchdorf auf Poel bestiegen, um zum Wal zu gelangen, der seit vier Wochen in einer flachen Bucht vor Wismar feststeckt. Der Wal zeigte während des Vorgangs keine Anzeichen von Unruhe.
Umweltminister Till Backhaus äußerte im Hafen von Kirchdorf seine Erleichterung: “Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen”, erklärte er und gestand, dass er auf dem Beobachtungsboot geweint habe. Nach der Rettungsaktion feierten die Retter aus der privaten Initiative ihr erstes Erfolgserlebnis nach Wochen der Anspannung, wobei manche Tränen der Erleichterung vergossen. Die Fahrt soll etwa dreieinhalb Tage dauern.
Trotzdem ist das Überleben des Wals noch nicht gewährleistet: Experten vom Meeresmuseum hatten vor dem Transport gewarnt, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand des Tiers weiter verschlechtert habe und die Erfolgsaussichten einer Rettung sehr gering seien. Sie hoben hervor, dass die Bergungsaktion enorme Verletzungsrisiken für den Wal mit sich bringe und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen von Organisationen wie der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.
Die Organisation WDC betonte, dass es in freier Natur ungewöhnlich sei, Wale eingesperrt zu sehen. Dies könne Stress oder gar Panik auslösen, insbesondere da das Tier seinem natürlichen Fluchtinstinkt nicht folgen könne.
Umweltminister Backhaus erinnerte daran, dass der Wal ein Wildtier ist und seine Reaktionen unberechenbar sein können. Laut Einschätzung sei der Gesundheitszustand des Tiers jedoch gut; die Atmung sei tief und frei von pathologischen Geräuschen.
Der Buckelwal war Anfang März nach Angaben der Behörden in Küstennähe aufgetaucht, zuerst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein und gelangte über einen ausgehobenen Kanal ins flache Wasser. Anstatt Richtung Norden zu schwimmen, kehrte das Tier nach Wismar zurück und schließlich in die Bucht der Insel Poel, Kirchsee genannt. Dort strandete es erneut, konnte sich zwischenzeitlich befreien, war aber wenige Stunden später wieder fest.
Trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft hatte Umweltminister Backhaus Mitte April entschieden, die Rettungsversuche zu unterstützen. Die Initiative wird von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Der Lastkahn wurde herangeschafft, um den Wal zur Nordsee zu bringen; ein früherer Versuch war gescheitert.
SRF 4 News, 20.4.2026, 9 Uhr