Der Hass gegen Juden gilt als Symbol für Fremdenfeindlichkeit, doch heutzutage sehen manche Progressiven Juden pauschal als Unterdrücker an. In der kosmopolitischen Stadt London, bekannt für ihre Toleranz, sind antirassistische Organisationen zahlreich und reagieren oft schnell auf fremdenfeindliche Vorfälle. Nach dem Messerangriff in Golders Green, bei dem zwei Juden ohne ersichtlichen Grund angegriffen wurden, herrschte jedoch auffallende Stille unter den Antirassisten. Dies ist kein Einzelfall; es gibt eine Reihe von Angriffen auf jüdische Institutionen und Bürger. Die Erklärung für die fehlenden Proteste liegt darin, dass Juden nicht als Opfer angesehen werden. Stattdessen gelten sie in der Logik vieler Antirassisten als privilegierte Täter, was es unmöglich macht, sie als unterdrückt zu betrachten. Trotz jahrhundertelanger Verschwörungstheorien und dem Holocaust wird Israel von diesen Gruppen oft als kolonialer Staat dargestellt. Juden werden somit weltweit für alles verantwortlich gemacht, was im Nahen Osten geschieht. Der Slogan «Globalize the Intifada» hat sich zu einem Ausdruck linksextremer Aktivisten entwickelt und beinhaltet einen Aufruf zum Kampf gegen Juden als Repräsentanten Israels. Antizionisten rechtfertigen solche Attacken als legitimen Widerstand. In dieser Sichtweise sind getötete Juden selbst schuld. Diese Logik hat den paradoxen Effekt, dass der Antirassismus selbst antisemitisch wird. Der Begriff «Zionist» trägt nun die negative Konnotation des Antisemitismus in sich und dient als Anschuldigung gegen Israel. Juden werden gedrängt, ihre Verbindung zu Israel zu erklären oder für israelische Politik verantwortlich gemacht. Dieser Druck auf Juden ist einzigartig; keine andere Minderheit wird ähnlich behandelt. Die Geschichtsvergessenheit dieser Antirassisten ist bemerkenswert, da jede Kritik an Juden in eine lange Tradition des Antisemitismus fällt. Besonders für diejenigen, die sich selbst als fortschrittlich verstehen, sollte das Schweigen zu den Angriffen auf Juden beschämend sein.