Ein innovatives Projekt in Winterthur ermöglicht es Bewohnern, Kunstwerke aus städtischen Depots direkt in ihre eigenen vier Wände zu holen. Tanja Scartazzini, Leiterin des Amts für Kultur und Initiantin des Projekts, betont: “Kunst erlebt im privaten Raum eine neue Dimension – man kann die Werke berühren und Details entdecken, die im Museum oft verborgen bleiben.” Seit Jahresbeginn können Interessierte aus einem Online-Katalog mit 70 Kunstwerken der Sammlung Winterthur, dem städtischen Kunstinventar und der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte wählen. Für fünf Franken pro Ausleihe ist ein Bibliotheksausweis erforderlich.
Regula Geiser von den Winterthurer Bibliotheken hebt hervor: “Es ist wesentlich besser, dass die Bilder das Dunkel der Magazinschränke verlassen und wieder gesehen werden.” Mehr als die Hälfte aller Stücke sind bereits verliehen, was laut Geiser auf großes Interesse und Zufriedenheit mit dem Angebot hindeutet. Die Artothek ermöglicht es den Ausleihern, Kunst in unterschiedlichste Haushaltsumgebungen zu integrieren, wodurch die Werke neue Kontexte erhalten.
Geiser berichtet von der Bereitschaft vieler Kunden, Bilder des neuen Standorts zu teilen – eine Geste, die zeigt, wie sehr sie sich über das Projekt freuen. Die Kunstwerke werden häufig liebevoll in Szene gesetzt, sei es auf einem Fenstersims oder neben einem Schwedenofen.
Scartazzini ist überzeugt, dass die Bevölkerung durch dieses Projekt eine neue Perspektive erlangt: “Die Menschen entdecken Nuancen und Details, die Experten oft nicht mehr wahrnehmen. Die Werke werden dadurch lebendiger.” Obwohl Ausleihende die Kunstwerke am Ende der Laufzeit zurückgeben müssen, wird über eine Verlängerung nachgedacht.
Die Versicherung für das verliehene Werk ist in den fünf Franken enthalten. Scartazzini betont: “Die Leute gehen sehr sorgsam mit den Kunstwerken um.” Oft sind die Stücke zusätzlich hinter Glas geschützt, was Schäden unwahrscheinlich macht.
Das Angebot der Artothek soll durch neue Werke und mögliche Zukäufe oder Schenkungen erweitert werden. Dieses Projekt verbindet kulturelle Institutionen mit Privathaushalten auf innovative Weise.