Ein einst hochgelobter Herzchirurg, Francesco Maisano, wurde mit dem Auftrag betraut, der Zürcher Herzklinik zu neuem Ruhm zu verhelfen. Doch nach schwerwiegenden Vorwürfen schwieg er. Der Dottore ist nicht mehr erreichbar; seine E-Mails bleiben unbeantwortet und Anrufe laufen ins Leere. Einst bekannt für sein öffentliches Auftreten, bleibt Maisano jetzt stumm – trotz eines Berichts, der ihm gravierende Fehltritte als Leiter der Zürcher Herzchirurgie vorwirft. Der Bericht von ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer und Herzchirurg René Prêtre enthüllt unnötige experimentelle Eingriffe, ungenannte finanzielle Interessen Maisanos sowie vermeidbare Todesfälle unter seiner Leitung. Der Untersuchungsbericht spricht von einer Übersterblichkeit von 68 bis 74 Patienten und kritisiert die Führung Maisanos in der Klinik. Wie kam es zu diesem Absturz? Maisano, geboren aus der Erinnerung an seinen Vater, der dank des Nichteingreifens eines anderen Arztes überlebte, entwickelte eine Überzeugung: Die Herzchirurgie müsse sich langfristig von invasiven Eingriffen verabschieden. In den 1990er Jahren machte er sich einen Namen als Pionier in der interventionellen Kardiologie. Seine Ernennung zum Direktor und Professor der Zürcher Herzchirurgie im Jahr 2014 wurde schnell abgewickelt, ohne Interessenkonflikte zu klären. Maisano unterhielt intensive Beziehungen zur Industrie, besaß Patente und finanzielle Beteiligungen an medizinischen Unternehmen. Im Fokus stand das Cardioband – ein von ihm mitentwickeltes Implantat, dessen Wirksamkeit angezweifelt wird. Bei einer Operation in Zürich zeigte sich dessen Nutzen nicht, obwohl Maisano es als innovativ pries. 43 Eingriffe unter seiner Ägide brachten nur drei erfolgreiche Fälle. Experten kritisieren seine Klinikführung, die Risikobereitschaft und Experimente über das Patientenwohl stellte. Die Mortalitätsrate stieg an; die Anzahl geplanter Operationen sank. Maisano verbrachte viel Zeit außerhalb der Klinik – ein Drittel seiner Arbeitszeit. Trotz Problemen in Zürich blieb er präsent, organisierte internationale Symposien und inszenierte sich als Visionär. Doch seine organisatorischen Schwächen führten zu Konflikten mit seinem Stellvertreter Michele Genoni. 2019 versuchte die Spitalleitung, Maisano abzusetzen, scheiterte jedoch an seinem Widerstand. Dzemali übernahm schließlich 2022. Heute lehrt und forscht Maisano in Italien weiter zu experimentellen Behandlungsmethoden, bleibt aber im Schatten des Skandals.