Auf einer vernebelten Bühne erklingt düsterer Klang, während knurrender Gesang das Publikum zum Headbangen animiert. Die Band «WLVS» tritt auf – und obwohl sie keine echte Black-Metal-Band ist, sondern speziell für den Film «Wolves» gegründet wurde, überzeugt sie mit Authentizität. Der polnische Schauspieler Bartosz Bielenia spielt ihren Leadsänger und hat dafür die charakteristische Gesangstechnik erlernt.
Jonas Ulrich, ein passionierter Metal-Fan und Kenner der Szene, legte großen Wert auf Authentizität in seinem Film. Er erklärt: «Das sogenannte Screaming und Growling ist zentral für den Black Metal, weshalb der Hauptdarsteller monatelang mit einem Vocal-Coach üben musste.» Doch Ulrich warnt auch vor der Herausforderung, die spezifische Nische der Black-Metal-Szene authentisch darzustellen: «Sie ist faszinierend und widersprüchlich zugleich.»
Der Zürcher Regisseur Jonas Ulrich hat bereits Erfolge gefeiert – sein Kurzfilm «Menschen am Samstag» erhielt 2020 in Locarno den «Pardino d’oro», und der Kurzfilm «Behördenhasser» gewann 2022 den Zürcher Filmpreis.
Im Mittelpunkt von «Wolves» steht Luana, gespielt von Newcomerin Selma Kopp. Sie ist 23 Jahre alt und flüchtet sich vor ihrem Berufsalltag und familiären Spannungen in die Black-Metal-Szene, wo sie vom charismatischen Wiktor angezogen wird. Selma Kopp beschreibt: «Luana und Wiktor sind ähnlich verloren und auf der Suche nach Zugehörigkeit – das zieht sie aneinander.»
Durch Luanas Augen erlebt der Zuschauer die Faszination und Abgründe dieser männerdominierten Subkultur, in der Frauen oft keine große Rolle spielen. Luana kümmert sich um Social Media und Merchandising, während sich problematische politische Strömungen innerhalb der Szene offenbaren.
Jonas Ulrich betont: «Wir haben uns von toxischen Elementen abgegrenzt – trotzdem sollte der Film nicht verschweigen, dass solche existieren.» Die Geschichte bietet Einblick in eine einzigartige Musikszene und erzählt zugleich eine fesselnde Liebesgeschichte.
Als einziger Schweizer Beitrag wurde «Wolves» 2025 im Spielfilm-Wettbewerb des Zurich Film Festival gefeiert. Selma Kopp hofft, dass der Film auf die Gefahren toxischer Beziehungen hinweist: «Ich möchte, dass der Film Sensibilität weckt.»
Jonas Ulrichs Wunsch ist es, dass auch Nicht-Fans nach dem Filmerlebnis eine neue Sichtweise auf Black-Metal-Musik gewinnen: «Wenn jemand sagt, die Musik finde ich gar nicht so schlecht, wie gedacht, dann bin ich zufrieden.»