Murat Yakin bereitet sein Team bereits auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft vor, die in 74 Tagen startet. Trotz einer unerwarteten Niederlage von 3:4 im Testspiel gegen Deutschland ist der Schweizer Nationaltrainer entschlossen, alle Optionen auszuloten.
Die Begegnung am Freitagabend markierte die erste Pleite gegen das deutsche Team seit 2008. Florian Wirtz trug mit einem herausragenden Spiel maßgeblich zum Sieg bei. Doch für Yakin standen nicht nur Ergebnisse im Vordergrund. Er kündigte vor den Spielen an, allen Spielern eine Chance zu geben, sich länger als fünf Minuten präsentieren zu dürfen und versprach sich wertvolle Einblicke in die WM-Vorbereitung.
Eine neu eingeführte Regel, die bis zu elf Wechsel pro Partie erlaubt – sofern beide Verbände zustimmen – hat es Yakin ermöglicht, seine Pläne umzusetzen. DFB-Trainer Julian Nagelsmann äußerte sich skeptisch über diese Herangehensweise, gab aber letztlich der Bitte des Schweizerischen Fußballverbands statt.
Viele Beobachter kritisierten Yakin für das häufige Wechseln als planlos. Doch eine solche Sicht berücksichtigt nicht seine taktische Intelligenz. Yakins Stammformation ist bekannt und hat sich in der abgelaufenen Saison ohne Niederlagen bewährt sowie souverän die WM-Qualifikation gemeistert.
In der Vorbereitung will Yakin jedoch mehr als nur das Bestehende verwalten. Er testet verschiedene Spielsysteme, wagt taktische Experimente und prüft personelle Alternativen. Besonders interessant war dabei die zweite Halbzeit gegen Deutschland: Der Wechsel von Granit Xhaka zeigte, wie wichtig der Mittelfeldspieler für das Team ist.
Ohne Xhaka verlor die Schweiz an Struktur und Stabilität, was den Deutschen ermöglichte, sofort die Spielkontrolle zu übernehmen. Nagelsmann hatte vorher Xhakas Rolle als einen der besten europäischen Mittelfeldspieler hervorgehoben.
Joel Monteiro etablierte sich als Ersatz für Stürmer Breel Embolo, indem er bei seinem Einsatz entscheidend zum zwischenzeitlichen Ausgleich beitrug. Auch das Experiment mit Denis Zakaria als Rechtsverteidiger brachte interessante Erkenntnisse.
Yakin nutzt die Testspiele intensiv, um seine taktischen und personellen Optionen zu überprüfen. Seine Herangehensweise zeigt, dass er strategisch und mit klarem Ziel agiert – im perfekten WM-Modus.