Die chinesische Regierung drängt ausländische Unternehmen dazu, ihre Waren im Land zu produzieren. Andernfalls droht ihnen eine Benachteiligung bei Ausschreibungen. Simon Michel, CEO von Ypsomed, musste diesen Druck aus Peking spüren und entschied sich für den Bau einer Fabrik in China. Dies sollte nicht nur die Kundennähe verbessern, sondern auch Transportkosten einsparen.
“Wir bekamen aber Druck aus Peking”, erläutert Michel im Gespräch mit der NZZ. Seit zwei Jahrzehnten exportierte Ypsomed seine Injektionssysteme, sogenannte Pens, nach China. Die Forderung der chinesischen Behörden lautete nun: Produziere lokal oder riskiere Nachteile bei Ausschreibungen.
Ypsomed reagierte mit einer Investition von 150 Millionen Franken für eine Fabrik in Changzhou nahe Shanghai. Im vergangenen Sommer wurde die Anlage eröffnet, die bei voller Auslastung jährlich 100’000 Pens produzieren soll. China ist ein zentraler Markt für Ypsomed, das weltweit führende Unternehmen seiner Branche neben einem taiwanesischen Hersteller, mit einem Umsatzanteil von derzeit 11 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 750 Millionen Franken.
Trotz globaler Trends zur Selbstinjektion von Medikamenten sieht sich Ypsomed im China-Geschäft Herausforderungen gegenüber. Chinesische Unternehmen beobachten den Schweizer Hersteller genau und versuchen, seine Produkte nachzuahmen. Während die meisten chinesischen Nachbauten das Schweizer Original nicht erreichen, gibt es einige gut gemachte Konkurrenzprodukte zu niedrigeren Preisen.
Laut einem jüngsten “Swiss Business in China Survey” ist der zunehmende Druck durch chinesische Wettbewerber die größte Herausforderung für Schweizer Unternehmen im Reich der Mitte. Fast 90 Prozent der befragten Firmen sehen den intensiveren Wettbewerb als Hauptproblem, ein signifikanter Anstieg gegenüber zwei Jahren zuvor.
Viele Branchen kämpfen zudem mit sinkenden Produzentenpreisen und Überkapazitäten. Kurzfristig rechnen Schweizer Firmen daher mit schrumpfenden Umsätzen in China, sehen aber mittel- bis langfristige Zuwächse.
Simon Michel ist dennoch zufrieden: Der Umsatz und Gewinn wachsen stabil, da Kunden das Original bevorzugen. Doch er plant schon weiter: Ein neues Fabrikgelände neben der bestehenden Anlage soll weitere Expansion ermöglichen. Hier sollen chinesische Maschinen zum Einsatz kommen und das Management lokal sein.
Das China-Geschäft gewinnt für Ypsomed an Bedeutung, was Michel motiviert, sich für eine Erweiterung des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China einzusetzen. Als FDP-Nationalrat setzt er sich dafür ein, dass das Upgrade nur verabschiedet wird, wenn es vor dem Volk steht, trotz eines geschädigten chinesischen Images in der Schweiz.
Michel glaubt, dass China eine Charmeoffensive starten sollte, um sein Land als attraktives Touristenziel zu positionieren. Er hält ein solches Upgrade für entscheidend und möchte kein Risiko eingehen: “Wir sollten dem Upgrade nur zustimmen, wenn wir sicher sein können, dass es vor dem Volk steht.”