Die Stadt Zürich will mit einem neuen Steg am Stadtrand einen attraktiven Ort für Sonnenanbeter, Schwimmerinnen und Bootsfahrer schaffen. Der 150 Meter lange Steg soll ein Schmuckstück werden. Doch die Debatte im Stadtparlament dauerte zwei Stunden lang an. In der Nacht auf Donnerstag versank ein Teil des Stegs plötzlich im See, wobei mindestens eines der Boote mit hineingezogen wurde; ein weiteres blieb vermisst. Die übrigen Boote konnten unbeschädigt abgeschleppt werden. Einsatzkräfte errichteten eine Ölsperre wegen ausgetretenen Treibstoffs, und Taucher sowie ein Tauchroboter waren im Einsatz. Warum die Anlage versank, wird noch untersucht; möglicherweise blieben Schächte während Unterhaltsarbeiten offen, wie die Stadtpolizei berichtete. Der Hafen Tiefenbrunnen, umgeben von Lärm und einem Kieswerk, ist für viele kein schöner Ort, obwohl er Teil der Züricher Seeuferlandschaft sein könnte. Die Stadt plant jedoch eine Veränderung: Eine Erweiterung des Pärkleins und ein neuer, 15 Meter breiter Steg mit einer Buvette am Ende sind geplant. André Odermatt von der SP beschrieb die Vision eines offenen Ortes, der ein Gesicht erhält. Nach zwei Jahren Beratungen stimmte das Parlament den Plänen für eine neue Hafenanlage zu, die über 400 Boote im Wasser sowie 100 Trockenplätze bieten soll. Kritiker bemängeln den Umweltverlust durch Bootsketten in sensiblen Flachwasserzonen. Mathias Egloff von der SP betonte jedoch, dass weniger Boote am Ufer mehr Raum für Tiere und Pflanzen schaffen würden. Der Vizepräsident der Hochbaukommission, Flurin Capaul (FDP), hält den Erhalt von Booten im Stadtbild ebenfalls für wichtig. Trotz kontroverser Diskussionen lehnten die Gegner nicht das gesamte Projekt ab. Die AL und Grünen forderten eine Bündelung aller Bootsplätze in Tiefenbrunnen, was jedoch als absurd angesehen wird. Sophie Blaser von der AL kritisierte die Praxis der Vermietung an Nicht-Stadtbewohner. Trotz radikaler Kritik – Martin Busekros und Yves Henz sprachen sich gegen das „Dubai-Goldküstenhafen“-Projekt aus – stimmte eine breite Mehrheit für den Stadtratsantrag, inklusive eines Projektierungskredits von 8,9 Millionen Franken. Die endgültigen Kosten sind noch ungewiss. Zudem bleibt die Frage der Notwendigkeit zweier Standorte der Wasserschutzpolizei ungeklärt. Der Baubeginn ist für Ende 2032 geplant.