Im Jahr 1976 übernahm eine Militärjunta unter der Führung von Jorge Rafael Videla die Macht in Argentinien, indem sie das Regime um Isabel Perón stürzte. Die Junta etablierte daraufhin eine Diktatur, die für fast sieben Jahre andauern sollte. Kurz nach ihrem Amtsantritt wurden massive und brutale Säuberungsaktionen angekündigt, bei denen sogar der Tod Unschuldiger in Kauf genommen wurde. Die Junta selbst bezeichnete ihre repressive Taktik als ‘guerra sucia’, was auf Deutsch ‘schmutzigen Krieg’ bedeutet.
Während der Diktatur verschwanden oder starben Tausende Menschen, die oft ohne gerichtliches Verfahren über Monate bis Jahre festgehalten wurden. Viele Gefangene wurden gefoltert und ermordet, während nur wenige freikamen. Eine bedeutende Gegenstimme bildeten die Madres und Abuelas de Plaza de Mayo, die seit 1977 jeden Donnerstag auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires protestierten. Trotz Verfolgung setzten sie ihre Demonstrationen fort und legten den Grundstein für die spätere juristische Aufarbeitung.
Die Junta erzielte zunächst militärische ‘Erfolge’ durch die Unterdrückung der Guerilla, wobei deren Einfluss schrumpfte. 1978 verkündete Videla das Ende des ‘Kriegs gegen den Terror’, doch in Armutsvierteln setzten sich Gewaltakte fort. Der Militärapparat löste diese Gebiete gewaltsam auf, um Argentinien für die Fussballweltmeisterschaft als ‘sauber’ darzustellen.
Zwischen 1978 und 1981 erlebte das Land trotz einiger Reformen eine schwere wirtschaftliche Krise. Spannungen innerhalb der Junta führten zu mehreren Machtwechseln. Der Versuch, durch die Invasion der Falklandinseln politische Unterstützung zurückzugewinnen, scheiterte und nach der militärischen Niederlage verlor das Regime seine Legitimität.
Nach dem Scheitern im Falklandkrieg trat General Leopoldo Galtieri zurück und wurde von Reynaldo Bignone abgelöst. Letzterer erkannte, dass die Diktatur nicht mehr haltbar war, und begann den Übergang zur Demokratie.
Nach dem Ende der Militärherrschaft startete Argentinien eine Aufarbeitung der Menschenrechtsverbrechen. Eine Kommission dokumentierte Tausende Fälle von Verschwundenen, und 1985 wurden führende Junta-Mitglieder verurteilt, darunter Videla mit einer lebenslangen Haftstrafe.
Jedoch wurde dieser Prozess durch Amnestiegesetze späterer Regierungen weitgehend gestoppt. Erst Jahre später wurden die Amnestien aufgehoben und Videla erneut verurteilt.
Bis heute bleiben viele Fragen zu Tätern und Opfern ungeklärt. Auch fünf Jahrzehnte nach dem Putsch fordern Argentinierinnen und Argentinier weiterhin Aufklärung und Gerechtigkeit ein.