Laut Leslie Tsou, einer erfahrenen Diplomatin im Iran-Umgang, fehlt es den gegenwärtigen Verhandlungen zwischen der Trump-Regierung und dem Mullahregime an Fachleuten und internationaler Unterstützung. Trotzdem gibt sie sich optimistisch über mögliche Fortschritte. Rund ein Jahrzehnt zuvor kam es dank eines Atomabkommens, das auch von China, Russland und der EU unterstützt wurde, zu einer historischen Einigung mit Iran. Die internationale Gemeinschaft war damals entschlossen, Irans Nuklearfähigkeiten einzudämmen. Unter Druck stehend durch umfassende Sanktionen und die Wahl des moderaten Präsidenten Hassan Rohani 2013, begann Teheran mit geheimen Gesprächen in Oman, was schließlich zum Abschluss der Vereinbarung im Juli 2015 führte. Im Rahmen dieses Joint Comprehensive Plan of Action verpflichtete sich Iran zur Begrenzung der Urananreicherung auf 3,6 Prozent und zur internationalen Kontrolle. Dafür wurden wirtschaftliche Sanktionen gelockert, während die Unterstützung für Terrorgruppen und das Raketenprogramm nicht Teil der Verhandlungen waren. Obama hatte sich entschieden, zunächst den Nuklearaspekt zu klären. Nach Trumps Amtsantritt und dem einseitigen Rückzug aus dem Abkommen verschlechterten sich die Beziehungen. Einige Schlüsselfiguren wie Abbas Araghchi, damals Verhandlungsführer und nun Außenminister Irans, blieben jedoch bestehen. Tsou sieht darin allerdings keinen entscheidenden Hoffnungsschimmer, da multilaterale Bemühungen für Erfolg unabdingbar sind. Erfolgreiche Verhandlungen seien auf Expertenwissen angewiesen. 2015 trugen Fachleute wesentlich zur präzisen Lösungsfindung bei, während derzeit die US-Delegation als technisch unzureichend kritisiert wird. Tsou vertritt dennoch die Ansicht, dass die Gespräche eine Chance haben. Sie erinnert sich daran, wie Vertrauen durch persönliche Begegnungen wuchs – symbolisiert durch den Austausch von Energy-Drinks und Schokonüssen. Sie zweifelt jedoch an der Widerstandskraft Irans gegen wiederholte US-Angriffe während der Verhandlungen. Trotzdem hält sie einen Mittelweg bei der Urananreicherungssuspension für möglich, besonders nach langen Gesprächsrunden wie jüngst in Islamabad. Trump wird vorgeworfen, die Widerstandsfähigkeit des Irans unterschätzt zu haben. Tsou räumt ein, dass das Fehlen von Präsenz und Kenntnis über Iran und den Nahen Osten eine Rolle spielt – ähnlich überraschte der Arabische Frühling die Experten. Langfristig sieht sie eine demokratische Entwicklung in Iran als möglich. Ein erneuter Kriegsausbruch hängt von der Strasse von Hormuz ab, deren Blockade sowohl für beide Seiten problematisch ist. Tsou betont die Notwendigkeit einer nachhaltigen Lösung, um den Konflikt zu entschärfen.