Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass es an den Finanzmärkten zu einer Übertreibung kommt. Es könnte daher ratsam sein, vermehrt in langweilige Aktien zu investieren – insbesondere in Infrastrukturbetreiber.
Erinnern Sie sich daran, als vor kurzem dunkle Wolken über den Märkten aufzogen und eine Gefahr für die Weltwirtschaft drohte? Es scheint, als ob ich mich geirrt habe. Denn nun scheint wieder alles in blauem Licht zu erstrahlen.
In den letzten drei Wochen verzeichneten der S&P-500 und der Nasdaq-Index ihre stärksten Anstiege seit 2020 und erreichten neue Höchststände.
Die Investoren scheinen die Bedrohung durch einen möglichen Krieg im Iran schnell beiseitegeschoben zu haben, trotz ungelöster Fragen und anhaltend hoher Energiepreise. Die Inflation dürfte noch länger ein Thema bleiben.
Laut der Prognoseplattform Polymarket glauben 84 Prozent der Teilnehmer, dass die US-Teuerung in diesem Jahr über 3,5 Prozent liegen wird. Unter diesen Voraussetzungen sind Zinssenkungen unwahrscheinlich – auch mit einem neuen Notenbankchef.
Der anhaltende Optimismus verwirrt mich und lässt auf eine Übertreibung schließen, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die “Magnificent Seven” haben alleine in wenigen Tagen 2 Billionen Dollar an Börsenwert hinzugewonnen.
Warnsignale sind auch anderswo zu sehen: So stiegen die Aktien des insolventen Schuhunternehmens Allbirds um mehrere Hundert Prozent, weil es sich in “Newbird AI” umbenennt und als Cloud-Anbieter von KI-Rechenleistung neu positioniert.
Wenn ein so riskanter Strategiewechsel zu starken Kurserhöhungen führt, werde ich vorsichtig. Ich plane, einen höheren Goldanteil beizubehalten und mehr Liquidität zu halten. Mein Fokus liegt zudem auf möglichst unattraktiven Anlagen wie Infrastrukturtiteln – etwa Flughäfen, Bahnlinien oder Windkraftanlagen.
Ich bevorzuge einen ETF für eine breite Streuung der Investments. Der iShares Global Infrastructure erscheint mir zu stark auf Versorger fokussiert; daher habe ich den Xtrackers Dow Jones Brookfield Global Green Infrastructure ETF im Visier, der ein breiteres Infrastrukturportfolio und mehr europäische Titel bietet.
Infrastrukturanlagen sind konjunkturresistent und bieten oft einen guten Inflationsschutz. Viele Betreiber haben Konzessionsverträge mit dem Staat, die häufig eine direkte Anbindung an den Konsumentenpreisindex vorsehen. Das bedeutet, dass bei einer offiziellen Inflationsrate von 3 Prozent das Unternehmen seine Preise ohne zusätzliche Verhandlungen um diesen Prozentsatz erhöhen darf.
Diese Firmen können somit die Teuerung direkt an ihre Kunden weitergeben – und sind äußerst langweilig.