Das EU-Vertragspaket ist zwar noch nicht zur Abstimmung freigegeben, doch die Diskussionen laufen bereits auf Hochtouren. Beide Seiten erkennen Frauen als entscheidende Zielgruppe an.
Eine Initiative namens «Her Voice», bestehend aus einem Trio von Aktivistinnen, richtet sich gezielt an Frauen, um gegen das Vertragspaket zu mobilisieren. Laut CH Media betont Phyllis Scholl, Rechtsanwältin und FDP-Gemeindepräsidentin von Kilchberg: «Wir repräsentieren 50 Prozent der Wählerschaft, doch in politischen Debatten werden Frauen oft überhört – sowohl allgemein als auch speziell zu den neuen EU-Verträgen. Wir wollen sensibilisieren und kritische Fragen sowie Skepsis legitim machen.»
Auf der Gegenseite formiert sich die Plattform «Frauen für die Bilateralen». Hier engagieren sich Frauen für die Annahme der Verträge. Yvonne Gilli, Präsidentin der FMH und ehemalige Nationalrätin der Grünen, erklärt: «Frauen sind aufgrund ihrer Berufe und Lebensrealitäten anders betroffen, besonders in Bereichen mit intensiver Zusammenarbeit mit Ausländern. Daher ist es sinnvoll, Frauen im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Rolle gezielt anzusprechen.»
Politologe Lukas Golder von GFS Bern stellt fest, dass der Einfluss des Geschlechts bei Abstimmungen nur in bestimmten Bereichen entscheidend ist: «Es stimmt nicht pauschal, dass Frauen eher links wählen. Sie neigen zu progressiveren gesellschaftspolitischen Entscheidungen und sind bei Umweltfragen interventionistischer, während sie in der Europapolitik oft gleich wie Männer abstimmen.»
Die Erfahrung zeigt, dass die Mobilisierung von Frauen durch andere Frauen an Bedeutung gewinnt: «In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es gelingt, spezifisch Frauen zu erreichen und zu mobilisieren – ein zentraler Erfolgsfaktor für Kampagnen», so Golder. “Moderne Kampagnen ermöglichen es, auch kleinere Zielgruppen wie Frauen effektiv anzusprechen.
Unabhängig von der strategischen Ausrichtung ist mit einer hohen Beteiligung bei der anstehenden Europa-Abstimmung zu rechnen – ein historisches Ereignis.”
Tagesschau, 18. April 2026, 19:30 Uhr; srf/bils